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Medizin studieren: Besuch auf der Kinderonkologie

Foto von abi>> Blogger Thilo

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

06.02.2019

Im Rahmen meines Praktikums besuchten wir auch die Station im Uni-Klinikum, auf der Kinder behandelt werden, die an Krebs erkrankt sind. Wir haben jeweils mit vier Kindern und deren Eltern gesprochen. Was uns nicht bewusst war, ist, dass drei der vier Kinder an ihrer Krankheit sterben werden. Das erfuhren wir erst im Nachhinein von den Ärzten.
Das Schicksal dieser so jungen Menschen hat mich sehr getroffen. Vor allem, da ich mir seit Jahren wünsche, Kinderarzt zu werden. In der Praxis ist es dann doch anders, als man es sich vorstellt. Da frage ich mich: Kann ich das aushalten?
Eine Patientin ist erst wenige Jahre alt, wir sprachen deshalb mit ihrem Vater. Das Mädchen ist an Leukämie erkrankt, was man auch als Blutkrebs bezeichnet. Im Blut gibt es rote Blutkörperchen, die Sauerstoff transportieren, den wir einatmen, und weiße Blutkörperchen, die für die Abwehr von Erregern zuständig sind, damit wir nicht krank werden. Bei der Leukämie sind die weißen Blutkörperchen so verändert, dass sie ihre Funktion nicht erfüllen können. Der Vater wirkte relativ gefasst. Es hat ein wenig gedauert, bis die Diagnose gestellt wurde. Das Mädchen spielte einfach weniger gern, schlief ein paar Stunden mehr am Tag, wirkte insgesamt verlangsamt. Als dann beim Arzt ein großes Blutbild gemacht wurde, war die Diagnose klar: Leukämie.
Nun bekommt das Mädchen eine Chemotherapie. Eine Situation, die sehr belastend für das Mädchen und für die Familie ist. Und genau darauf kommt es auch für das behandelnde medizinische Personal an: die gesamte Familie zu betreuen. Wir alle waren etwas fassungslos über dieses Schicksal. Ich bleibe mit vielen Fragen zurück: Wie kann ich als Arzt eine Stütze sein? Wie gehe ich mit solchen Schicksalen um? Ich merke aber, dass diese Fragen mich nicht über-, sondern herausfordern. Und das macht mir Mut, den Weg in Richtung Kindermedizin weiter zu gehen.