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Praktikum im Studium

Urlaub mit Nachhall

Autor:
Antoine

Rubrik:
studium

16.11.2020

Ja tatsächlich, meine Bachelorarbeit ist im Oktober endlich fertig geworden. Da gerade aber nicht die Zeit ist, um das in irgendeinem größeren Kontext zu feiern, habe ich mich kurzfristig entschlossen, einen Kurzurlaub in einer Kleinstadt mit großem kulturellem Angebot und möglichst geringen Corona-Zahlen zu machen – im Oktober war das noch möglich. Mit diesen Kriterien fiel die Auswahl nicht schwer und ich beschloss, für ein paar Tage nach Weimar zu fahren! Weimar ist ja bekannt für mehrere Dinge: Literatur, Kunst, Demokratie und das Konzentrationslager Buchenwald.
Mein gebuchtes Zimmer in einem Hostel hatte erstmal eine Überraschung für mich bereit. Eigentlich hielt ich es nämlich nicht für möglich, dass in diesen Zeiten 6-Bett-Zimmer tatsächlich voll belegt sein könnten. Aber wie sich herausstellte, ging das doch. Ich hoffe, das bleibt ohne Folgen.
Nachdem ich Montagmorgen das erste Mal einen Krapfen als „Pfannkuchen“ bestellt habe, um nicht als Tourist aufzufallen, besuchte ich das „Neue Museum“. An diesem Museum hat mir besonders gefallen, dass die Kunst- und Stadtgeschichte mit Videos sehr anschaulich dargestellt werden konnte, ohne dass der künstlerische Anspruch verloren ging. Ein Spagat, den nicht viele Museen schaffen. Danach bin ich auf direktem Wege in das Bauhaus Museum gegangen, auf das ich mich im Vorfeld schon sehr gefreut habe. Ich bin großer Fan der Bauhaus Kunst und wurde nicht enttäuscht. Der Aufbau des Museums und die Ausstellungsobjekte waren wirklich ganz hervorragend und sehr empfehlenswert!
Am nächsten Tag nahm ich in der Früh den Bus, um mir etwas außerhalb von Weimar das KZ Buchenwald anzusehen. Meiner Meinung nach sollte jeder Deutsche mindestens einmal in seinem Leben in einem Konzentrationslager gewesen sein. Bei der Führung sind spätestens im Krematorium allen Besucherinnen und Besuchern die Tränen gekommen. Das Ausmaß der unvorstellbaren Verbrechen versteht man, wenn man Bücher liest und sich damit auseinandersetzt. Wirklich spüren kann man es aber nur, wenn man den Ort der Verbrechen aufsucht, wo so unvergleichlich Schreckliches passiert ist. Die Bedeutungsgewalt dieses Ortes hat mich förmlich in die Knie gezwungen. Ich stand dort in meiner warmen Regenjacke und meinem gefüllten Rucksack, wo so viele Menschen frieren, hungern und unvorstellbar leiden mussten. Unzählige Männer, Frauen und Kinder wurden an genau dieser Stelle gequält und ermordet. Dort stand ich, genau 75 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager. Wir können diese Taten niemals ungeschehen machen, wir können uns aber sehr wohl dafür einsetzen, dass diese abscheulichen Verbrechen nie vergessen werden und Vergleichbares nie wieder geschehen kann.

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