Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Master live

Kolonialismus 2.0 - Teil 2

Vor meiner Abreise nach Uganda hatte ich einen Blogeintrag über Kolonialismus und Freiwilligendienste und Praktika im Ausland verfasst. Ich hatte damals überlegt, worauf man achten kann, wenn man einen solchen Auslandsaufenthalt plant, und geschrieben, es wäre gut darauf zu achten, welche Aufgaben man übernehmen wird und ob sie tatsächlich den eigenen Fähigkeiten entsprechen. Genauso wichtig ist es, sich klarzumachen, wer von diesem Praktikum profitiert sowie sich mit Rassismus und dadurch entstehende Privilegierungen und Diskriminierungen auseinanderzusetzen.
Diese Liste würde ich jetzt gerne ergänzen, weil mich die Gedanken darüber, ob solche Auslandseinsätze mehr Schaden als Nutzen bringen, sehr beschäftigen.
In Kampalas teureren Kneipen und Clubs wimmelt es nur so vor weißen jungen Menschen. Alle sind sie da, um für ein paar Wochen oder Monate Gutes zu tun. Auch bei Wakisa Ministries, der Organisation bei der ich mein Praktikum gemacht habe, kamen motivierte weiße Praktikantinnen und Freiwillige zur Tür herein und waren kurz Teil des Lebens der Mädchen und der Mitarbeiterinnen bei Wakisa. Alle verlassen sie den Ort nach kurzer Zeit wieder mit dem Versprechen, sich auf jeden Fall zu melden und wiederzukommen. Jedes Mal, wenn eine Freiwillige ein paar Wochen weg war, fragte mich einer meiner Kolleginnen, ob ich von ihr gehört hätte, denn sie hätte auf E-Mails nicht mehr geantwortet. Meine ugandischen Kolleginnen blieben immer enttäuscht zurück. Eine ugandische Sozialarbeiterin sagte mir einmal, sie würde sich nicht mehr die Mühe machen, sich mit den weißen Praktikantinnen anzufreunden. Sie sei es müde, sich immer wieder auf diese einzulassen, wenn sie so schnell wieder weg wären.
Das sind Eindrücke von Sozialarbeiterinnen. Wie muss es erst den Kindern oder Erwachsenen gehen, mit denen diese Freiwilligen arbeiten? Wie erleben Straßenkinder es, wenn sie sich alle sechs Wochen auf neue Menschen einlassen sollen? Menschen, die kurz sehr motiviert Teil ihres Lebens sein wollen, nur um kurze Zeit später in den Flieger in die Heimat zu steigen. Ihre Enttäuschung muss noch viel größer sein als die meiner Kolleginnen.

Autor: Annika  |  Rubrik: studium  |  May 23, 2017
Autor: Annika
Rubrik: studium
May 23, 2017

Master live

Seelisch krank

In den ersten Sitzungen des Wahlmoduls „Philosophie der Psychiatrie“ haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was psychische Störungen überhaupt sind. Dabei kamen wir auf drei verschiedene Erklärungen: Entweder sie sind wie körperliche Krankheiten zu verstehen und stellen eine Erkrankung des Gehirns dar, sind lediglich soziale Konstrukte, definiert als eine Abweichung von herrschenden Normen einer bestimmten Gesellschaft, oder sind eher Werkzeuge, in dem Sinne, dass wir psychische Störungen als Grund nutzen, um Menschen möglichst effizient glücklich machen zu können.
Im weiteren Verlauf des Semesters werden wir psychische Störungen in Beziehung zu philosophischen Problemen setzen. Zum Beispiel wirft die Krankheit Demenz, bei der man seine Erinnerungen verliert, die Frage auf, was die Person ausmacht (seht auch meinen Beitrag „Personale Identität“). Suchterkrankungen verweisen auf die Debatte um den freien Willen. Wahnhafte Störungen wie die Schizophrenie, bei der Halluzinationen auftreten, stellen wiederum die Frage nach der individuellen Wahrnehmung von Realität.
Zuletzt beschäftigen sich Philosophen mit den moralischen Aspekten der Psychiatrie. Auf welcher moralischen Grundlage sperren wir seelisch erkrankte Menschen ein? Wenn es nur auf eine statistische Abweichung zum gesellschaftlichen Durchschnitt ankommt, mit welchem Recht therapieren wir Menschen, um einer Norm zu entsprechen? Oder drastischer gefragt: Warum therapieren wir überhaupt Leiden? Warum leiden wir überhaupt und was bedeutet das?
Ich hoffe, zum Ende des Semesters ein paar gute mögliche Antworten auf diese Fragen mit euch teilen zu können.

Autor: Lukas  |  Rubrik: studium  |  May 23, 2017
Autor: Lukas
Rubrik: studium
May 23, 2017

Master live

WG-Life 2.0

Das Leben in einer WG hat, besonders während des Studiums, viele schöne Seiten – aber ebenso seine Tücken. Nicht immer versteht man sich mit jedem gleich gut, was insbesondere daran liegt, dass man erst im Laufe des Zusammenlebens alle Macken des anderen (oder auch an sich) entdeckt.
Ich lebe seit dreieinhalb Jahren in einer 4er-Wohngemeinschaft mit drei anderen Mädels. Eigentlich. Denn momentan sind wir zu fünft – und da kann es doch schnell eng werden. Ein guter Freund einer meiner Mitbewohnerinnen hat sich vor Kurzem von seiner Freundin getrennt und bevor er mit seinem Hab und Gut auf einer Parkbank nächtigen muss, ist er vorerst bei uns untergekommen. Mal wieder. Nun ist der ohnehin schon viel zu kleine Kühlschrank zum Bersten gefüllt, in der Müllecke stapeln sich die Pizzakartons und der Wäscheständer ist an sieben Tagen in der Woche belegt. Gefühlt schwanken wir in dieser Konstellation derzeit irgendwo zwischen Dauerklassenfahrt und Irrenhaus, weshalb man schnell mal an seine Grenzen gerät – zumindest geht es mir im Moment so.
In Zeiten wie diesen wünsche ich mir oft, dass ich alleine wohnen würde. Ich habe keine Lust, jemand anderem erklären zu müssen, welchen Sinn es hat, den Geschirrspüler anzustellen oder weshalb man seine Wäsche nicht zwölf Stunden lang nass in der Maschine liegen lässt. Trotzdem glaube ich, dass es gut ist, sich auf diese Weise mit anderen auseinandersetzen zu müssen. Dadurch lernt man, deutlich entspannter an Konflikte heranzugehen. Wenn man alleine lebt, kommt man gar nicht erst in solche Situationen.
Ich bin trotzdem heilfroh, wenn wir unsere Wohnung wieder für uns haben.

Autor: Noelle  |  Rubrik: studium  |  May 16, 2017
Autor: Noelle
Rubrik: studium
May 16, 2017