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Bachelor live: Ruhe

Autor:
Lee-Ceshia

Rubrik:
studium

30.03.2021

Ich habe mir zu Beginn der Pandemie ein neues Verhaltensmuster angeeignet. Ich habe gelernt, mir mehr Zeit für mich selbst zu nehmen. Je älter ich werde, desto introvertierter werde ich. Und das empfinde ich als einen Segen. Lustigerweise sind viele meiner Freunde introvertiert und ich glaube, dass liegt daran, dass ich die Ruhe, die diese Menschen ausstrahlen so gerne mag und mir das immer für mich selbst gewünscht hatte. Ich konnte diese Ruhe allerdings nie in mir finden, sie war bestimmt da, doch ich hatte sie geknebelt und in eine Ecke meines Inneren verbannt.

Zum Beginn des ersten Lockdowns hatte ich jedoch auf einmal Zeit – keine sozialen Verpflichtungen und plötzlich war der Raum in mir sehr leer, auf gute Art und Weise. Und dann war da die Ruhe, die sich von ihren Fesseln befreite und den Raum einnahm, der vorher mit allerlei Hobbies, Freunden, Verpflichtungen und Familie gefüllt war. Ich nahm sie dieses Mal an, wie einen alten Freund und genoss es einfach. Die Ruhe blieb – als Dauergast. Und ich fand das sehr angenehm.
Vor einigen Tagen passierte dann etwas. Termine und Verpflichtungen holten mich ein, ich wurde geradezu überrannt, aus Ruhe wurde Unruhe. Wieso fiel ich so schnell in das alte Muster und hatte einen vollen Terminkalender und keine Zeit mehr für mich?

Früher hätte ich dann einfach weitergemacht. Doch ich habe dazugelernt – ich weiß jetzt: Es liegt in meiner Hand! Ich nahm meinen Mut zusammen, sagte Termine ab, verschob sie, entzerrte meinen Kalender. Und erstaunlicherweise war mir niemand böse, alle hatten Verständnis. Einige erwiderten sogar, dass sie das mutig und gut finden, sich Zeit für sich zu nehmen. Transparenz und Kommunikation helfen bei solchen Geschichten.