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Bachelor live: Sturmfrei

Ein Porträt-Foto von Conny

Autor:
Conny

Rubrik:
studium

23.02.2021

Im Februar kehrte ich nach über zwei Monaten wieder zurück nach München. Ich war nach Weihnachten wegen des Lockdowns bei meinen Eltern in der Nähe von Halle geblieben, wie meine Freundin auch. Sie wohnte bei ihren Eltern in einem Nachbardorf von uns. So sahen wir uns ein paar Mal in der Woche. Mal waren wir bei uns, mal bei ihr zu Hause. Ein bisschen fühlte es an wie zu der Zeit als wir gemeinsam Abitur machten. Nur, dass inzwischen einige Jahre vergangen waren und jeder schon alleine gelebt hatte.

Über solch einen langen Zeitraum wieder bei den Eltern zu wohnen, machte vieles komfortabler, schränkte natürlich aber einige Freiheiten ein. Zum Beispiel andere Gewohnheiten beim Thema Ordnung und Essen bis hin zum Biorhythmus. Meine Eltern gehen berufsbedingt recht früh ins Bett, während ich meist bis nach Mitternacht wach bin.

Kurzum, irgendwann war es an der Zeit, wieder mein eigener Herr zu werden. Ich beschloss nach München zu fahren – ohne besonderen Anlass, einfach aus einem Gefühl heraus. Da es meiner Freundin ähnlich ging und wir als Paar etwas Privatsphäre und Zweisamkeit gebrauchen konnten, schloss sie sich mir an. Mein WG-Mitbewohner war zu dieser Zeit bei seiner Familie und war nicht in der Wohnung. Wir hatten also für mehr als zwei Wochen gemeinsam sturmfrei!

Es war sehr schön, mal wieder vollkommen ungestört zusammen zu leben. Ich genoß es, selbst zu kochen, einkaufen zu gehen oder spätabends Musik zu hören. Sogar der Wohnungsputz bereitete mir auf merkwürdige Art und Weise Freude – ich eroberte mir dadurch mein eignes Reich zurück. Nur Bügeln ist und bleibt die lästigste Aufgabe, die es gibt.

Wir probierten viele vegane Gerichte aus, was für mich neu und interessant war. Bei unseren Eltern wäre das ein undenkbarer Eingriff in die Ernährung gewesen. Weiteres Indiz für ein eigenständigeres Leben war, dass ich endlich wieder meine Waschtasche auspackte. Zahnbürste, Deo und Haarwachs fanden ihren eigens dafür vorgesehenen Platz im Bad. Bei meinen Eltern hingegen beließ ich alles über mehrere Wochen in der Tasche. Unterbewusst hatte ich wahrscheinlich gespürt, dort nur ein Gast auf Zeit gewesen zu sein.