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Bachelor live: Vegetarier sein

Autor:
Hannes

Rubrik:
studium

27.01.2021

Ich war ungefähr 13 Jahre alt, als ich mich das erste Mal aktiv mit dem Thema Ernährung beschäftigte. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es nur Essen, was ich entweder mochte oder nicht mochte. Doch dann wurde im Biounterricht die Massentierhaltung thematisiert. Die typischen Bilder aus Schlachthäusern und beengten Ställen wurden gezeigt, abstoßend und erschreckend in ihrer Wirkung. Seit diesem wusste ich, dass alles was ich kaufe und verzehre Einfluss auf das gesamte System hat.

Daraufhin beschloss ich, mich fortan vegetarisch zu ernähren. Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen ersten Tag als Vegetarier. Als ich meiner Familie meine Entscheidung mittags mitteilte, hatte meine Mutter fürs Abendessen schon Rouladen eingeplant. Als diese dann aufgetischt wurden, weigerte ich mich vehement, diese zu essen. Die Vorwürfe und bösen Blicke, die ich darauf erntete, waren, und das rechne ich meiner Familie sehr hoch an, die einzigen, die ich seither von ihnen erhalten habe. Natürlich war die erste Umstellung für mich nicht leicht, es kam häufig vor, dass ich Beilagen mit Soße essen musste oder Dinge aß, die alles andere als vegetarisch waren – zum Beispiel Gummibärchen. Mit einigem Abstand kann ich aber mittlerweile sagen, dass meine Mutter wohl die Hauptlast trug. Ganz neue Rezepte mussten gefunden und ausprobiert, oft zwei Gerichte gleichzeitig gekocht werden, um auch die Fleischesser zufrieden zu stellen. Davor ziehe ich meinen Hut.

Nachdem ich Vegetarier geworden war, befasste ich mich nicht mehr wirklich mit dem Thema. Erst kurz vor dem Abi entfachte sich mein Interesse von neuem, warum genau, weiß ich nicht mehr. Zur gleichen Zeit begann ich, mich näher mit Klimawandel, der Müllproblematik und dergleichen auseinanderzusetzen. Gipfelnd folgte nach dem Abi ein dreimonatiges Praktikum bei einer Umweltschutzorganisation am Wattenmeer. War ich in der Schule noch relativ alleine mit meinen Interessen gewesen, war ich jetzt von lauter Leuten umgeben, die sich mit ähnlichen Problematiken auseinandersetzten. Ich war nun nicht mehr "der Vegetarier", für den extra gekocht werden musste, der Sonderling, der auf Plastiktüten beim Einkauf verzichten wollte, sondern konnte mich jetzt mit Gleichgesinnten austauschen. Seitdem empfinde ich eine Sicherheit in meinem Denken und Handeln, wie ich sie davor lange Jahre nicht hatte. Ich ernähre mich vegetarisch, in weiten Teilen sogar vegan und versuche, so gut es eben geht, „richtig“ einzukaufen und zu leben.