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Die Lehrer von morgen: Emmy, Peter und die Anti-Mathematiker

Porträt-Foto von Janna

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

26.04.2021

Mittlerweile ist es über ein Jahr her, dass ich mit meinem Masterarbeitsbetreuer zusammensaß und mögliche Themen mit ihm besprach. Die nächsten Treffen waren alle über Zoom, aber das Thema steht trotzdem schon seit jenem Märzmorgen fest: Hochbegabtenförderung im Mathematikunterricht.

Alle Schüler*innen in Deutschland haben das Recht auf optimale individuelle Förderung. Leider ist es häufig so, dass Fördermaßnahmen meistens nur auf schwächere Schüler*innen abzielen, das konnte ich in meiner eigenen Schulzeit, in meinen Schulpraktika, aber auch beim Studium selbst sehen. Für schwache Schüler*innen gibt es an jeder Schule verschiedene Angebote wie Förderunterricht, Nachhilfe oder andere Programme. Förderangebote für starke Schüler*innen gibt es hingegen nur, wenn engagierte Lehrkräfte sich darum kümmern.

In meinem Theorieteil habe ich daher erst einmal geklärt, was Hochbegabung eigentlich ist und welche Eigenschaften Hochbegabte von durchschnittlich Begabten unterscheiden. Anschließend habe ich die drei großen Fördermaßnahmen vorgestellt, die es gibt: Bei Akzeleration durchlaufen Schüler*innen die Bildungsinstitutionen schneller als normal, zum Beispiel, indem sie früher eingeschult werden, Klassen überspringen oder schon während der Schule ein Frühstudium an der Uni absolvieren. Enrichment bedeutet, dass Inhalte vertieft werden, die über den Unterrichtsstoff hinausgehen, zum Beispiel in Schülerakademien oder wenn bei der Binnendifferenzierung im Unterricht einige starke Schüler*innen anspruchsvollere oder weitergehende Aufgaben bekommen. Beim Grouping arbeiten Hochbegabte in Gruppen zusammen, was zum Beispiel in Pull-Out-Programmen passieren kann, bei denen hochbegabte Schüler*innen aus verschiedenen Klassen für bestimmte Stunden aus dem Unterricht genommen werden, um zusammen zu arbeiten.

Anschließend habe ich eine eigene Unterrichtseinheit erstellt, die Hochbegabte besonders gut fördern soll. In meinem Setting wird in der Mathe-AG in Kleingruppen die Geschichte von Emmy und Peter erzählt, die verhindern müssen, dass die Anti-Mathematiker die Weltherrschaft übernehmen. In der bestimmten Einheit geht es um Kryptologie, daher müssen die potentiellen Schüler*innen Nachrichten mit der Cäsar-Chiffre und dem Vigenère-Verfahren verschlüsseln und erarbeiten, wie man solche verschlüsselten Nachrichten knacken kann. Die Hochbegabtengruppe aus der Mathe-AG bekommt dabei noch schwierigere Aufgaben als die anderen Schüler*innen. Dafür habe ich Arbeitsblätter und ein Stundenkonzept erstellt und am Ende analysiert, warum dieses Verfahren besonders gut dafür geeignet ist, Hochbegabte zu fördern – unter anderem auf jeden Fall, weil Kryptologie ein superspannendes Thema ist, für das zumindest ich mich als Kind brennend interessiert hätte.

Vorgestern habe ich die Arbeit abgegeben und jetzt bin ich einfach nur glücklich, fertig zu sein.