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Die Lehrer von morgen: Perfektionismus

Ein Porträt-Foto von Eva

Autor:
Eva

Rubrik:
studium

26.05.2020

In den letzten Wochen stellte ich vermehrt fest, wie sehr ich mich darüber ärgere, Fehler zu machen. Seien es Leichtsinnsfehler in meinen Prüfungen, ein ungenau aufgeklebtes Symbol auf einer gebastelten Einladungskarte, ein misslungenes Gericht oder dass mir der Deckel meiner Auflaufform hinunterfällt und zerbricht. Ständig tadle ich mich selbst wegen meiner gemachten Fehler. Ich empfinde mich dann als zu unkonzentriert und zu schlampig und frage mich, wann dieser Perfektionismus-Wahn zu meinem ständigen Begleiter im Alltag wurde. Dieses erdrückende Gefühl belastet mich und reduziert mein Selbstbewusstsein.

Neulich schnitt ich meinem Vater die Haare. Es sah gut aus, bis er den Aufsatz abmachte, da er dachte ich sei fertig, und ich danach die Seite hochrasierte, um sie der anderen perfekt anzugleichen. Schockiert standen er, meine Mutter und ich da und starrten fassungslos auf die kahle Stelle am Kopf. Ich verzog mich zornig ins Zimmer, war wütend auf mich selbst und meine Unachtsamkeit. Wie konnte mir nur so etwas passieren? Es tat mir unheimlich leid, doch ich konnte nichts mehr rückgängig machen. Verdrossen verbrachte ich den Abend dann lieber allein.

Ich höre oft, dass jeder Fehler macht. Aufstehen und Weitermachen, dadurch kommt man weiter! Aber was bringt es mir vor einem Haufen Scherben zu stehen oder einen schlimmen Haarschnitt zu schneiden? Im Internet forschte ich nach, um herauszufinden weshalb Fehler mein Leben einnehmen und Leute behaupten, diese als Chance zu sehen. Ich entdeckte viele selbststärkende Beiträge oder Posts, die besagen, dass es menschlich sei, Fehler zu machen und man darauf stolz sein könne, die eigenen Fehler zu erkennen. Ich kann meine Fehler dennoch nicht als positiv betrachten, selbst wenn ich sie an mir wahrnehme. Das Gutreden der Fehler missfällt mir. Ich weiß, dass ich sie so annehmen sollte wie sie sind und ich meine Fehler gelassener sehen muss, doch das fällt mir sehr schwer. Der Perfektionismus überkommt mich immer wieder.

Ich hoffe in nächster Zeit meinen Fokus weniger auf meine Fehler, sondern mehr auf meine Stärken richten zu können…