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Autor:
Britta

Rubrik:
studium

27.10.2020

Keine Frage – die Digitalisierung bringt viele Vorteile mit sich. Internetfähige Geräte sorgen dafür, dass wir zu fast jeder Zeit an nahezu jedem Ort effizient lernen und arbeiten können. Und auch in Bezug auf soziale Kontakte gewinnt das Internet zunehmend an Bedeutung. Schon jetzt, also noch vor offiziellem Vorlesungsbeginn, habe ich mehr Personen aus meinem Studiengang kennengelernt als in den ersten Vorlesungswochen meines Bachelorstudiums. Und das obwohl wir uns aktuell physisch eher aus dem Weg gehen. Umso öfter laufen wir uns virtuell über den Weg: in diversen Gruppen, Chats und Teams auf Uni-Portalen und sozialen Medien.

Mein gesamter Uni-Alltag spielt sich aktuell online ab, so auch heute: Ich sitze am Schreibtisch und zwei Bildschirme strahlen mich an. Sie zeigen ein PDF mit den aktuellen Vorlesungsfolien, die Live-Übertragung des Mathe-Kurses und einen Browser mit mindestens zehn geöffneten Tabs. Es handelt sich um die Seiten der digitalen Einführungstage, durch die ich mich zwischen den Kurseinheiten klicke, scrolle und swipe. Daneben liegt mein Handy mit hell erleuchtetem Display. Der Get-Together-Abend mit den anderen Erstis, Infos zum Modultausch, Organisation von Lerngruppen – nichts aus der neu gegründeten Uni-Gruppe möchte ich verpassen. In anderen Chats wird das Geschenk für den nächsten 30. Geburtstag im Freundeskreis sowie die letzte Folge einer heiß diskutierten TV-Show besprochen. Dass ich die Sprachnachrichten einer Freundin nicht abspielen kann – schließlich höre ich ja gerade dem Dozenten zu, macht mich nervös. Ich lenke mich damit ab, dass ich ja, sobald ich einen Hinweis des Dozenten fertig notiert habe, die Einkaufsliste für nächste Woche anlegen könnte. Vielleicht schaue ich auch gleich noch den Wetterberi…ich halte kurz inne und erwische mich dabei, wie ich meinem kompletten Körper anspanne. Dass ich seit vielen Stunden keinen Schluck Wasser mehr getrunken habe, fällt mir auch auf. Seit Tagesbeginn lese, höre und verarbeite ich so viele Informationen gleichzeitig und verliere mich selbst dabei aus Augen.
Als es Zeit für die Mittagspause ist, beschließe ich einen Spaziergang zu machen. Für 30 Minuten bewege ich mich nicht auf Internetseiten, sondern draußen an der frischen Luft. Eine gute Gelegenheit, das Handy in den Flugmodus zu schalten, durchzuatmen und die Herbstsonne zu genießen. Ich merke, wie ich zunehmend entspannter werde. Vielleicht verpasse ich die eine oder andere Nachricht, doch darauf zu antworten kann ich nachholen. Ob ich alles nachholen kann, was ich außerhalb meines Telefons versäume? Eher nicht. Das Smartphone zwischendurch abzuschalten ist gar nicht so schlimm – ich glaube, das mache ich jetzt öfter. Vielleicht bekomme ich dann auch mehr von meinem Mathe-Kurs mit.

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