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Master live: Keine Angst vor Mathe

Autor:
Britta

Rubrik:
studium

04.11.2020

Der Mathe-Vorkurs ist vorbei. In den zehn Tagen, an denen ich mich von 9 bis 16.30 Uhr mit Mathematik beschäftigt habe, durfte ich viel lernen. Darunter auch einiges über mich selbst.

Um ehrlich zu sein: Ich hatte großen Respekt – vielleicht sogar etwas Angst – vor all dem, was mich in den mathematischen Modulen erwartet. Das liegt vor allem daran, dass ich mich seit mehr als acht Jahren nicht mehr ernsthaft mit komplexen Parabeln, Ableitungsfunktionen und dem Gaußschen Algorithmus auseinandersetzen musste. Auch in meiner Schulzeit war ich kein Überflieger in Geometrie, Stochastik oder Algebra. Was ich jedoch schon damals geahnt habe und sich während des Vorkurses wieder bestätigt hat: Es ist für mich nicht unmöglich, mathematische Formeln zu verstehen, es hat auch nicht zwangsweise etwas mit mangelnder Intelligenz zu tun, wenn ich bei gewissen Aufgaben Schwierigkeiten habe. Das Problem liegt eher darin, dass ich mich sehr früh habe demotivieren lassen. Denn so viele Erfolgserlebnisse das Fach zu bieten hat, so viele deprimierende Momente kann es auch bereiten. Wie oft saß ich als Kind vor meinen Hausaufgaben und hatte das Gefühl vor lauter Zahlen und Buchstaben gar nichts mehr zu verstehen. Nach und nach geriet ich in den Teufelskreis der Demotivation: Etwas nicht verstehen, frustriert aufgegeben, in der nächsten Unterrichtsstunde weniger mitmachen usw.
Heute weiß ich: Um Frustration zu vermeiden bzw. ihr möglichst wenig Raum zu bieten, spielt für mich vor allem die Lern- und Übungsmethodik eine Rolle. In erster Linie helfen mir zwei Dinge dabei, nicht zu verzweifeln: Zum einen schaffe ich mir, wenn ich mal bei einer schwierigen Aufgabe nicht weiterkomme, selbst kleine Erfolgserlebnisse. Dann suche ich mir gezielt leichtere Übungen und rechne sie durch. Nach einer kurzen Pause gehe ich dann neu motiviert nochmal die schwierigere Aufgabe an. Zum anderen hilft mir der Austausch mit Freunden (glücklicherweise bewege ich mich ein einem Umfeld voller Mathe-Profis) und Kommiliton*innen. Bei komplexen Aufgabenstellungen überlegen wir gemeinsam oder beantworten uns unsere Fragen gegenseitig. Während ich als Einzelkämpferin vermutlich hin und wieder panisch und verkrampft über den Übungsblättern brüten würde, wirkt ein „Das wird schon – ich schicke dir meinen Lösungsweg“ in unserer (primär digitalen) Übungsgruppe manchmal wunder. Mindestens genauso wichtig ist es, dass wir uns gegenseitig daran erinnern, wofür wir das Ganze tun und uns jeder bestandene Kurs ein Stück weiter an unser Ziel bringt.