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Master live: Plagen auf zwei Rädern - Teil 1

Foto von abi>> Blogger Ferdinand

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

11.11.2019

Die E-Roller, sie kamen und wurden von vornherein skeptisch beäugt: Segen oder Fluch für das urbane Leben? Mittlerweile haben sie die europäischen Hauptstädte erobert und meine Haltung ist klar: Die E-Roller braucht niemand.
Es begann in Prag, vor etwa einem Jahr. Ich erinnere mich noch gut daran: Die Innenstadt war voll mit den Scootern, doch es spielten sich auch Schreckensszenarien ab: Falsch geparkte Roller, die die Zugänge zu Wohnhäusern versperrten, in der Moldau versenkte Roller, zerbrochene Roller am Straßenrand. Nach Prag haben die Roller auch ihren Weg gen Westen gefunden. Bei meinen letzten Aufenthalten in Berlin und München zeichnete sich dabei das gleiche Bild ab, wie derzeit hier in Wien: Ein regelrechter Kampf der Roller-Unternehmen scheint begonnen zu haben. Verschiedene Anbieter buhlen um die Gunst der Kunden, ein Roller sieht schicker und schnittiger aus als der andere. Auffällig in Wien ist zudem, dass scheinbar auch viele Privatpersonen den E-Roller für sich entdeckt haben und mit eigenen Maschinen die Straßen der Stadt – im wahrsten Sinne des Wortes – unsicher machen.
Mich lassen vor allem Sicherheitsbedenken an den Gefährten zweifeln. Die Roller sind für das Trottoir zu schnell, für die Straße zu langsam. Eine meiner beiden Test-Fahrten, die ich selbst unternahm, musste ich abbrechen, da ich mit einem Male den Lenker lose in der Hand hielt, nur noch mit ein paar Kabeln mit dem Gefährt verbunden. Ich frage mich: Für wen und für welche Strecken ist der E-Roller eigentlich gemacht? Für die „letzte Meile“ von der U-Bahn-Station zum Arbeitsort? Von der Haustür fix zum Supermarkt? Von der Vorstadt ins Zentrum pendeln? Für alle diese Zwecke gibt es bereits Verkehrsmittel: Es gibt Busse und Bahnen und U-Bahnen, es gibt den ÖPNV, der vor allem in Prag und Wien ein ganz hervorragender ist. Der E-Roller ist teurer als der ÖPNV, weniger komfortabel als ein Taxi. Er verhindert spontane Begegnungen an Ampeln oder entspanntes Schlendern. Er ist nicht barrierefrei und ersetzt kein Auto. Und vor allem: Er ist eine Umweltsünde sondergleichen: Wo kommen die Batterien in den Rollern her? Wer lädt sie über Nacht auf? Die Ökobilanz der zweirädrigen Plage mit der meines Fahrrades zu vergleichen erübrigt sich wohl. Und ich fühle mich dann doch deutlich sicherer, wenn ich mit 40 Sachen auf meinem Rennrad über den Asphalt fliege, als mit 25 Sachen auf einem zerbrechlichen Roller zum Spielball zwischen LKW und Straßenbahn zu werden.