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Medizin studieren: Pflegepraktikum - Teil 2

Ein Porträt-Foto von Maril

Autor:
Maril

Rubrik:
studium

26.03.2021

Widmen wir uns nun den Tiefen des Pflegepraktikums.

Ja, es ist nicht wirklich angenehm, andere Menschen von Kopf bis Fuß zu waschen, ihre Exkremente wegzumachen, ihre Windeln zu wechseln, ihre Zahnprothesen zu reinigen und sie im Bett herumzuzerren, damit man das Laken wechseln kann. Und das sind nur ein paar Beispiele. Doch das sind gar nicht diese Dinge, die mich am meisten anstrengen oder anekeln – obwohl ich jeden verstehen kann, der das nicht erträgt.

Ja, es ist auch nicht gerade meine Traumtätigkeit allein schwere Betten durch die Gänge zu bugsieren, Essen auszutragen und das dreckige Geschirr wieder einzusammeln. Doch auch das ist in Ordnung, auch wenn ich nicht mein ganzes Leben in diesem Beruf verbringen möchte.

Was mich jedoch wirklich bedrückt, sind Erlebnisse mit sehr alten, zum Teil schwer dementen und alles in allem hilflosen Patient*innen. Wenn dich einer dieser Patienten bittet, ihm doch endlich die Medikamente zu geben, damit er all dem ein Ende setzen kann, kommt man schon ins Grübeln. Oder wenn Patient*innen völlig ausrasten, weil sie nicht ins Pflegeheim wollen, herumschreien und Krankenpfleger*innen tätlich angreifen. Nur mit Mühe konnten wir sie beruhigen. Wenn man die Wut und Verzweiflung dieser Menschen sieht, lässt das, glaube ich, niemanden kalt.

Man erlebt in Krankenhäusern viel, was man eigentlich nicht erleben möchte und was man persönlich und auch als Gesellschaft erfolgreich verdrängt hat, es sei denn man arbeitet im Gesundheitssektor. Und was man dort erlebt, ist dann ein ziemlicher Schock.

Andererseits erlebt man natürlich auch viel Schönes, etwa die Dankbarkeit der Patient*innen, wenn man sich die Zeit nimmt, um kurz mit ihnen zu reden oder ihnen den Rücken mit Franzbranntwein einreibt. Wie sie sich freuen, wenn man sie freundlich begrüßt, ihnen eine Telefonkarte oder eine Extrascheibe Brot besorgt. Doch für genau solche kleinen Aufmerksamkeiten haben die meisten Krankenpfleger*innen keine Zeit. Sie sind auf Station meistens unterbesetzt und haben viel zu tun. Da bleibt kaum Zeit für so etwas. Umso mehr freue ich mich natürlich, dass ich mittlerweile irgendwie nützlich sein kann. Denn am Anfang stand ich als Praktikantin eher nur blöd in der Gegend herum, da ich mich nicht auskannte. Nach einer Woche war das jedoch zum Glück nicht mehr so. Und ich erlebte all das, was ich in diesem und in dem letzten Text beschrieben habe. Dazu sei noch gesagt, dass ich auf einer Station in einem ländlichen, kleinen Krankenhaus gearbeitet habe, wo der Altersdurchschnitt der Patienten*innen vermutlich bei etwa 70 Jahren liegt.

Die beschriebenen Tiefen ändern zwar nichts an meinem positiven Gesamtfazit zum Pflegepraktikum, doch sie zeigen mir noch einmal sehr deutlich, dass die Arbeit in der Pflege oft eine physisch wie psychisch zermürbende Tätigkeit ist.