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Praktikum im Studium: Ich bin Rentner

Porträt-Foto von Antoine

Autor:
Antoine

Rubrik:
studium

19.07.2021

Vor ein paar Wochen habe ich ja einen kurzen Blog darüber geschrieben, dass ich das Gefühl habe, endlich ein Mann zu sein. Und weil das 23 Jahre gedauert hat, dachte ich, ich habe jetzt erstmal Ruhe mit den Metamorphosen. Aber Pustekuchen. Letzte Woche habe ich mich nämlich bei einem Gedanken erwischt, bei dem ich mich vor mir selber erschrocken habe. Es war Freitagnachmittag und ich dachte mir: „Cool, morgen ist Samstag, dann kann ich ja heute extra früh schlafen gehen und morgen um halb 7 aufstehen“. Nun muss man dazu sagen, dass ich unter der Woche immer um 24 Uhr ins Bett gehe, um 8 Uhr aufstehe, dann Home-Office mache. Das ist so meine Routine. Vor Corona hätte ich die Routine noch damit durchbrochen, dass ich feiern gehe und am nächsten Tag lange ausschlafe. Jetzt, während Corona, macht es mir Spaß, um 22.30 Uhr schlafen zu gehen. Einfach so, weil der Tag dann so angenehm zu Ende geht. Kennst du diese „How I met your Mother“-Folge, wo Ted die Regel aufstellt „Nichts Gutes passiert nach 2 Uhr nachts“? So fühle ich mich auch, nur halt mit 22 Uhr.

Das Schöne am frühen Schlafen gehen ist ja, dass man auch so früh wach ist! Samstag um 7 Uhr bin ich der Erste, der frisch geduscht bei meiner Lieblingsbäckerei aufschlägt. Ich plaudere mit der Verkäuferin, kaufe ein paar Brezen und eine Mohnschnecke und frühstücke dann ganz entspannt. Seit Neustem trinke ich auch noch Brennnessel-Tee morgens, das macht das Bild perfekt. Um ca. 8 Uhr mache ich dann einen Spaziergang zum Flohmarkt, wo ich bis 10 Uhr bleibe, dann gehe ich nach Hause und lese. Am Mittag mache ich dann mit Freundinnen und Freunden eine Wanderung oder Radtour, bevor ich am Abend etwas koche. Man hat einfach so viel vom Tag!

Aber zurück zu meinem Anfangssatz. Denn vor ein paar Wochen habe ich noch gemerkt, dass ich, wenn man Klischees glauben mag, ein richtiger Mann geworden bin, weil ich Fußball schauen für mich entdeckt habe. Jetzt habe ich aber festgestellt, dass ich offensichtlich 70 Jahre alt bin. Ich denke, ich werde meinen Kleiderschrank auf die Farbe Beige vereinheitlichen und nur noch mit den Armen hinter dem Rücken verschränkt laufen. Vielleicht kennt ihr den Kurzfilm „Beige“ von Sylvie Hohlbaum, den man auch auf YouTube sehen kann. Fehlt eigentlich nur noch das Einfamilienhaus. Die Moral von der Geschichte: Sei einfach du selbst, du musst keinen Generationenklischees entsprechen.