zum Inhalt

Lesetandems

Autor:
Emily

Rubrik:
orientieren

18.02.2024

Es heißt immer: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Aber was ist, wenn Kinder sich sehr schwer tun zu lesen? Die Kompetenz, Texte flüssig, schnell und korrekt zu lesen, ist für Kinder in beinahe jedem Unterrichtsfach wichtig. Wie soll ein Kind, selbst wenn es ein Thema perfekt beherrscht, einen Test schreiben, wenn es schon die Hälfte der Zeit braucht, um die Aufgabenstellungen zu lesen? Aber wie kann eine Schule in so einer Situation ihre Schüler*innen unterstützen?

Unsere Schule hat, wie viele andere Schulen auch, auf ein neues Konzept gesetzt: die sogenannten „Lesetandems“, bei denen Fünftklässler nach dem Übertritt auf das Gymnasium einen Test machen, wie schnell und korrekt sie lesen können. Wer unter einer gewissen Wörterzahl bleibt, bekommt das Angebot eines Lesetandems, bei dem sich das Kind zweimal pro Woche mit einer älteren Schülerin oder einem älteren Schüler treffen kann, um nach Unterrichtsschluss in einer Mappe vorgefertigte Übungstexte zu lesen. Die Tandems bestehen immer aus „Lesetrainer“ und „Lesesportler“. Das Angebot ist, wie schon erwähnt, nicht verpflichtend und für alle Teilnehmenden komplett kostenlos, wodurch alle Kinder die Möglichkeit haben, sich helfen zu lassen, unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Eltern.

Die Tandems laufen zunächst ein halbes Schuljahr, anschließend wird ein erneuter Lesetest gemacht. Falls es dann bei einem Kind weiterhin ein Defizit beim Lesen gibt, besteht die Möglichkeit, auch im zweiten Halbjahr an diesem Programm teilzunehmen. Der erneute Test ist auch besonders wichtig für neu hinzugekommene Schüler*innen oder als Rückmeldung, wie sich das Lesen der Jahrgangsstufe insgesamt verändert hat.

Und wie genau lief das Üben ab? Ich habe letztes Jahr das komplette Schuljahr über Fünftklässler*innen beim Lesen als Lesetrainerin unterstützt. Wir haben anfangs eine Einführung bekommen, auf was beim Üben zu achten ist: Beispielsweise, wie man mit Fehlern während des Lesens umgehen soll, wie man die Kinder am besten motiviert, generelle Regeln, wie das Mitführen des Fingers beim Lesen als Hilfe und wie man schüchterne Kinder unterstützen kann, die sich nicht trauen, alleine laut zu lesen.

Ich persönlich finde das Programm echt super. Die Texte waren unterhaltsam und unterschiedlich schwer, um besser auf die Schüler*innen eingehen zu können. Die von mir betreuten Lesesportler*innen haben sich toll entwickelt und am Ende des jeweiligen Halbjahres viel besser gelesen als zuvor. Und als Anreiz für uns Lesetrainer gab es einen Lohn, der aber wie schon erwähnt, nicht von den Eltern gezahlt, sondern über Förderprogramme finanziert wird. Falls die ungefähre Lesezeit pro Woche am Jahresende gestimmt hat, was durch Karten mit Datum und Unterschriften von Sportler*in und Trainer*in bestimmt werden konnte, gab es einen festen Betrag pro Halbjahr, den die Lesetrainer*innen erhalten haben.

An unserer Schule hat das Programm sich als absoluter Erfolg herausgestellt und es konnten seit dem Programmbeginn viele Verbesserungen erzielt werden. Zudem hat mir die Arbeit mit den Kindern sehr viel Spaß gemacht. Ich kann es also nur weiterempfehlen, wenn man das eigene Taschengeld ein wenig aufbessern möchte.

Eure Emily