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Mein Jahr im Kurs „Philosophie im Film“

Autor:
Emily

Rubrik:
orientieren

07.11.2023

Es heißt: „Ehrlich währt am längsten“. Das Sprichwort bedeutet also, dass die Wahrheit am wichtigsten ist. Aber ist das so? Sind Lügen per se etwas Schlechtes oder gibt es Situationen, in denen es in Ordnung ist zu lügen? Mit solchen und ähnlichen Fragen habe ich mich dieses Jahr im Kurs „Philosophie im Film“ der regionalen Begabtenförderung Oberfranken auseinandergesetzt.

Dieses Jahr starte ich mein zweites Mal in diesem Programm und vorletztes Jahr habe ich einen Kurs, in dem es viel um Literatur und Verlage ging, besucht. Wir haben damals unveröffentlichte Jugendromane lesen dürfen, wurden von Autoren besucht und haben exklusive Einblicke in verschiedene Jugendbuchverlage bekommen, wo wir uns mit den Lektoren, Übersetzern und anderen Mitarbeitenden austauschen durften. Der Kurs hat mir zwar ganz gut gefallen, die Bücher, die wir gelesen haben, aber eher weniger, weil der Kurs ab der 7. Klasse war und mir deshalb einige Bücher langweilig vorkamen und vom Genre her gar nicht mein Geschmack waren.

Letztes Schuljahr allerdings war der Kurs „Philosophie im Film“ auf allen Ebenen wirklich schön. Ich habe gemerkt, dass mich die Fragen über die Zeit im Kurs hinaus beschäftigt haben und wie ich wirklich beim Nachdenken an meine Grenzen gestoßen bin. Aber erstmal zu dem, was wir gemacht haben: Jeder Kurs hat circa fünf Stunden gedauert und wir haben uns über Themen wie Glück, Toleranz, Lügen und sogar über abstraktere Themen wie die Möglichkeit einer Matrix und über weit mehr unterhalten. Wir sind immer mit einer Denkfrage eingestiegen. Als wir erste Eindrücke ausgetauscht hatten, haben wir verschiedene Texte, teils aus der Antike, teils sehr Aktuelles, von Philosophen gelesen. Wir haben uns dabei immer wieder in die verschiedensten Positionen hineinversetzt. Gerade die Diskussionsphasen haben mir wirklich gut gefallen. Oft geschah das anhand von Fallbeispielen. Und weil das jetzt alles sehr theoretisch ist, hier ein kleines Beispiel: Eine Straßenbahn ist außer Kontrolle geraten und droht, fünf Personen zu überrollen. Durch Umstellen einer Weiche kann die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umgeleitet werden, wo sich unglücklicherweise eine weitere Person befindet. Darf der Tod einer Person in Kauf genommen werden, um das Leben von fünf Personen zu retten? Am Ende haben wir einen Film oder einen Teil eines Films, der die Frage des Tages aufgreift, angeschaut. Für mich war es neu, dass es auf viele Fragen keine „richtige“ und „falsche“ Antwort gibt, sondern jede*r eine Antwort für sich selbst finden muss. Ich habe unfassbar viel dazugelernt und die Atmosphäre war immer super.

Allgemein kann ich nur zu solchen Kursen raten, wenn man zu denjenigen gehört, die sie angeboten bekommen. Leider ist es aktuell noch so, dass die Kurse nur für Schüler*innen mit einem gewissen Notenschnitt angeboten werden und nicht für alle Interessierten zugänglich sind. Ich hoffe, dass sich in diesem Bezug noch etwas ändert.

Dennoch sind die Kurse wirklich schön, weil man, im Gegensatz zum sonstigen Unterricht, merkt, dass alle Anwesenden wirklich freiwillig da sind und sich dafür interessieren. Man kann immer viel lernen und es werden sehr viele Kurse aus den verschiedensten Bereichen angeboten. Ich finde, sie sind also eine gute Möglichkeit, sich gezielt in einem Themengebiet, für das man sich interessiert, weiterzubilden. Begabtenförderungsprogramme gibt es in ganz Deutschland, deshalb nutzt die Gelegenheit, falls euch solche Kurse oder Ähnliches angeboten werden.

Eure Emily