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Studieren im Ausland: Die Haut ganz genau ins Auge fassen

Foto von abi>> Blogger Thilo

Autor:
Thilo

Rubrik:
studium

16.08.2019

Sorgfältig schauen wir uns die Wunden des Patienten an. Sie sind rötlich, teilweise nässend, teilweise trocken und übersäen den ganzen Körper. Der Patient leidet unter dem Juckreiz. Einige Medikamente wurden schon ausprobiert, manches brachte Erfolg, doch die Wunden kamen immer wieder. Es bleibt ein Rätsel.
Die Dermatologie, das medizinische Fachgebiet, das sich auf die Haut spezialisiert hat, ist ein breites, vielfältiges und auch herausforderndes Fach. So spannend es auch sein kann, so langweilig und monoton war leider der Kurs, den ich in Riga dazu belegt hatte.
Meistens hatten wir theoretischen Unterricht und gingen Krankheitsbilder durch. Selten haben wir Patienten gesehen.
Besonderes Durchhaltevermögen verlangte uns die Einheit zu sexuell übertragbaren Krankheiten ab. Doch deren Behandlung im Unterricht ist wichtig, da sie im Alltag eines Arztes häufig vorkommen – insbesondere, weil viele Menschen sich nicht davor schützen. In Lettland ist die Situation noch prekärer als in Deutschland. Lettland ist spürbar ärmer und die Krankenversorgung ist nicht so gut wie bei uns. Und auch die Aufklärungsarbeit hat erst in den letzten Jahren wirklich Fahrt aufgenommen.
Das führt dazu, dass sich Krankheiten finden lassen, die es in Deutschland kaum bis gar nicht gibt. So zum Beispiel Tuberkulose, die bei uns eine Seltenheit darstellt, aber in Lettland fast so gewöhnlich wie eine Lungenentzündung ist. Manche der anderen Erasmus-Studierenden hatten das Fach „Infektiöse Krankheiten“ und mussten für die Tuberkulose-Unterrichtseinheiten in ein spezielles außerhalb liegendes Krankenhaus fahren, in einem Bus voller kranker Menschen – ein Mundschutz war dabei ein Muss. Manche Krankheiten konnte man in fortgeschrittenen Stadien sehen, da sie nicht früh genug erkannt und behandelt wurden. Syphilis gehört dazu, aber auch andere Geschlechtskrankheiten, die nicht nur schmerzhaft sind, sondern auch gefährlich sein können.
Am Ende des Kurses hatte ich zumindest eine klare Erkenntnis: Dermatologe möchte ich nicht werden.