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Was tun nach dem Abi?: Auf 4.000 Metern

Autor:
Max

Rubrik:
orientieren

26.08.2020

Am zweiten Tag unserer Wanderung zum Alaköl hatten wir uns einen Wecker auf 7.30 Uhr gestellt - doch Timo war zu kalt, um aufzustehen. Also ging es erst gut drei Stunden später los. Trotz eisiger Temperaturen hatte ich erstaunlich gut geschlafen. Wider Erwarten schaffte ich es sogar, das Zelt zusammenzulegen. Uns erwartete dennoch ein anstrengender Marsch, weshalb das späte Aufstehen nicht gerade förderlich war.
Bis zum Alaköl ging es lange steil bergauf und der Weg zog sich wie Kaugummi. Die Szenerie machte die Anstrengung aber wieder wett. Schroffe Bergspitzen, um die 5.000 Meter hoch, ragten an beiden Seiten des Tals empor, das wir durchquerten. Kurz vor dem See wurde es nochmal richtig rutschig, weil der Kies nur sehr lose am Hang lag.
Und dann hatten wir es geschafft. Hinter einer Kuppe tat sich der große Bergsee in der Mittagssonne glänzend auf. Schnee hing an den umliegenden Bergen. Sobald sich eine Wolke vor die Sonne schob, war es schnell ziemlich frisch. Trotzdem wollten Timo und ich wenigstens einmal in den See hüpfen. Wann sonst bekam man die Gelegenheit, auf 3.500 Metern Höhe zu baden? Es war total kalt, aber ein großartiges Gefühl. Wir wärmten uns wieder auf, aßen einen Happen und liefen weiter. Hinter einem Kamm merken wir erst, wie weit sich der See in die Länge zog. An seinem Ende lag ein schneebedeckter Gletscher. Und nun sahen wir auch den höchsten Punkt unserer Wanderung, den Alaköl-Pass. Ein kleiner Pfad fräste sich an dem steinigen Berghang steil nach oben. Pünktlich zum letzten Anstieg setzte ein kalter Regen ein. Jetzt hieß es einfach nur: Zähne zusammenbeißen und hoch.
Zum Glück war der Schauer schnell wieder vorbei und wir erreichten den Pass bei Sonnenschein. Timo ärgerte sich, denn er wollte unbedingt die 4.000-Meter-Marke durchbrechen, aber meine Karten-App zeigt bei unserem Standort nur eine Höhe von 3.930 Metern an. Nun kam der ätzende Teil der Wanderung: das Bergablaufen. Zehn Kilometer und 1.400 Höhenmeter lagen vor uns. Nach dem kräftezehrenden Aufstieg zum Bergpass waren wir erschöpft, wodurch sich der Weg zurück nach Karakol schier unendlich in die Länge zog. Mehr stolpernd als laufend und komplett erledigt erreichten wir schließlich den Ort. Diese Wandertour war es dennoch völlig Wert gewesen.