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Studentenleben live

Tief im dunklen Wald

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

19.09.2014

Nur noch ein paar Tage, dann ist es so weit: Ich, das Mädchen aus der Hauptstadt, werde mein Schulpraxissemester im dunklen Schwarzwald beginnen. Es gibt zwar keinen Bahnhof in diesem kleinen Kurort, dafür aber einen riesigen Dom mit angegliedertem Gymnasium.

Damit ich mich am ersten Tag nicht direkt im Wald verlaufe und von einer bösen Hexe gemästet werde, bin ich die Tage schon einmal hingefahren. Die Strecke ist wunderschön und das entlohnt für die lange Fahrt. Nach dreimonatigem Pendeln sehe ich das wahrscheinlich nicht mehr so. Aber wer weiß. Meine Fahrt beginnt in Freiburg mit der Höllentalbahn, die nicht nur einen teuflischen Namen hat, sondern auch die steilste Hauptbahn Deutschlands ist. In der Tat könnte man zwischendurch denken, der Zug würde gleich aus den Schienen kippen, so steil fällt neben einem der Berg ab. Doch selbst wenn etwas passieren sollte, man fährt ja Gott sei Dank durch das nette Örtchen Himmelreich. Weiter gehts vorbei am Titisee, wo ich doch so gerne aussteigen würde, um ein bisschen um den See zu laufen, oder im Badeparadies kreischend die verschiedenen Rutschen auszuprobieren, aber die Fahrt ist noch lange nicht vorbei.

Denn ab Titisee folgt mein Zug nicht mehr der Höllentalstrecke, sondern der Drei-Seen-Bahn. Klingt romantisch – und das ist es auch! Nach dem Titisee warten noch der Windgfällweiher und der große schöne Schluchsee darauf, bestaunt zu werden. Vorbei an Feldberg-Bärental, dem höchstgelegenen Bahnhof Deutschlands, der mich unvermeidlich an den süßen Teddy aus der Bärenmarke-Werbung denken lässt, und an Aha, auf der ersten Silbe betont, wohlgemerkt, tuckert der Regionalzug durchs Land.

In Seebrugg schließlich ist es mit der Bahnfahrt vorbei und es geht weiter mit dem Bus. Da bleibt leider keine Zeit, der Badischen Staatsbrauerei Rothaus einen Besuch abzustatten. Ja, von hier oben kommt nämlich das Bier mit dem hübschen Mädel Birgit, das es neuerdings in jeder Berliner Szenekneipe zu kaufen gibt. Nach dem Ort mit dem unkreativen Namen Häuser bin ich endlich am Ziel. Schön ist es da, das muss ich zugeben. Das dachte sich wohl auch schon Felix Mendelssohn Bartholdy, der hier auf Hochzeitsreise war.

Leider habe ich keine Zeit für einen Stadtbummel und erst recht nicht für einen Kuraufenthalt, denn der Bus zurück geht schon zwanzig Minuten später und dann erst wieder in einer Stunde.

Immerhin weiß ich aber jetzt, welche Reise mir täglich bevorsteht.

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