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Ingenieurwesen? Ja, bitte!

Déjà-vu

Autor:
Katha

Rubrik:
studium

17.01.2017

Seit voriger Woche wohnt mein Opa probeweise im Altenheim. Weil er zunehmend dement wird, kommt er leider nicht mehr alleine zurecht. Mit etwas Glück fanden wir recht schnell einen Platz für ihn und er hat sich inzwischen schon ein wenig eingelebt. Wir besuchen ihn täglich, um ihm die Umstellung so angenehm wie möglich zu machen. Für ist es wie ein Déjà-vu, wenngleich seine Zimmernachbarn deutlich fitter sind als die Damen und Herren, die ich noch vor gut einem Jahr in Frankreich betreut hatte.
Obwohl mein Opa in jüngeren Jahren nie viel für Musik übrig hatte, ist er inzwischen immer ganz gerührt, wenn wir ab und zu gemeinsam musizieren. Spontan überlegte meine Familie sich deshalb, am Sonntag die Instrumente einfach mit ins Altenheim zu nehmen und ihm und seinen Nachbarn mit Musik eine kleine Freude zu machen. Mit Querflöte, Keyboard, Noten und der eigenen Stimme bewaffnet besuchten wir die Senioren um die Kaffeezeit. Nach einem etwas holprigen Beginn – wohl wegen der Spontaneität dieser Aktion – spielten wir uns aufeinander ein, sodass alle einen schönen Nachmittag hatten und wir für ein weiteres Mal zusagten.
Interessanterweise können demente Menschen sich oft unfassbar gut an Liedtexte erinnern, während sie sonst schon die Namen der eigenen Kinder durcheinanderwerfen. Ich hatte während meines Freiwilligendienstes jedenfalls immer Mühe, in Sachen Textsicherheit mit den Senioren mitzuhalten. Nach einem Jahr war ich immer noch nicht gänzlich mit all den Strophen vertraut, die sie Woche für Woche aus den verborgensten Ecken ihres Gedächtnisses zauberten. Musik fasziniert eben; sie rührt, therapiert, bringt zusammen, bewegt und macht einfach unheimlich viel Spaß.

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