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Medizin studieren

Psychosomatik-Praktikum

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

27.09.2017

Auch wenn viele Leute das nicht wissen, sind Psychiater und Psychosomatiker auch Ärzte, die einmal Medizin studiert haben. Oft ist dabei die Frage, was diese denn von Psychologen unterscheide.
Einer der entscheidenden Unterschiede ist der, dass Psychiater und Psychosomatiker im Gegensatz zu Psychologen, die keine ärztliche Ausbildung absolviert haben, Medikamente verschreiben dürfen. Alles Weitere ist sehr individuell von Klinik zu Klinik, Fachbereich zu Fachbereich und Patient zu Patient unterschiedlich. Oft sind die Schnittmengen riesig, in wieder anderen Fällen ist nur der Psychiater und nicht der Psychologe gefragt – oder eben umgekehrt.
All das haben wir in einem sehr intensiven Praktikum näher kennenlernen dürfen. Es ging um Psychosomatik, grob gesagt also um Patienten mit Beschwerden körperlicher Natur, für die andere Ärzte keine physische Ursache finden können. So zum Beispiel eine Frau, die ständig müde, nicht leistungsfähig und oft erkältet war. In bis zu 45 Minuten langen Einzelgesprächen – die anderen vier Praktikanten sahen das Gespräch durch verspiegelte Scheiben – musste ich mich dann zum Kernproblem hervorarbeiten: schwierige, ungeklärte Familienverhältnisse auf dem eigenen Hof, die zu dem kränkenden Verhalten führten.
Interessant dabei war vor allem, dass wir gar nicht die „echten“ Patienten zu Gesicht bekamen. Die Psychosomatiker hatten alte, besonders repräsentative Fälle, mittels Portfolios und alten Video-Aufnahmen einer handvoll professionellen Schauspielern zum „Studium“ gegeben. Diese wiederum schlüpften so perfekt in ihre Rollen, dass wir als „Ärzte“ nach spätestens fünf Minuten vollkommen vergessen hatten, dass wir uns nicht in der Wirklichkeit befanden.
Insgesamt konnten wir aus dem Praktikum super viel mitnehmen. Es war spannend, auch mal abseits der „normalen“ Medizin zu sehen, was möglich ist. Aber anstrengend war es – und ganz sicher nichts für mich, 45 Minuten lang Familienverhältnisse fremder Leute bis zu Streitigkeiten im Jugendalter zurück auseinanderzunehmen.

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