interaktiv

Zwischen Schule & Beruf

Vorhang auf für die Zukunft

Autor:
Janna

Rubrik:
auszeit nach dem abi

05.07.2012

1. Juli 2012. Ich sitze in Sommerklamotten und mit verpflasterten Füßen vor dem Laptop auf dem Fußboden und weiß nicht, ob ich traurig oder glücklich sein soll.

Gestern war mein Abiball. Ich habe getanzt, bin zu lange in zu engen, zu hohen Schuhen herumgelaufen, hatte ausnahmsweise und nur mit Hilfe von viel Haarspray eine schöne Frisur, die nicht nach fünf Sekunden in sich zusammen gefallen ist. Ich habe mich von Leuten verabschiedet, die ich vielleicht nie wiedersehen werde. Bei manchen von ihnen bin ich froh darüber. Bei anderen nur traurig. Mit wieder anderen habe ich nie wirklich etwas zu tun gehabt. Jetzt ist wirklich alles vorbei. Dreizehn Jahre Schulzeit, neun davon auf dem Gymnasium. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Aber ich hoffe, ich werde mit denen, die es mir wert sind, Kontakt halten können.

Man hat so viel erlebt, man ist gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen. Man hat Partys gefeiert, zusammen gelacht und Spaß gehabt. Man hat lieber in vertrauter Runde gelernt als ganz allein und sich nach der Klausur darüber unterhalten, wie einfach oder wie schwer die Aufgaben waren. Man hat all die Privilegien, die man als Oberstufenschüler so hat, ausgelebt und vor allem das dreizehnte Schuljahr genossen, so gut man nur konnte. Man hat am letzten Schultag nebeneinander auf der Bühne gestanden und geweint, weil „Forever young“ lief und eine Ära zu Ende ging.

Was übrig bleibt, ist eine Abizeitung, in der über mich steht, dass ich wie ein Wasserfall rede und „strange, aber irgendwie auch liebenswert“ bin, ein Gruppenfoto von siebzig Leuten in Mottoshirts und ein zerknittertes Abiballkleid mit unzähligen Pailletten auf dem Fußboden.

Aber das kann es doch nicht gewesen sein. Da ist doch noch viel mehr. Wo ist die Zeit geblieben? War es nicht erst neulich, dass ich im gestreiften Baumwollkleid mit hellblauem Schulranzen auf dem Rücken nach Hause kam und die rote Schultüte auspacken durfte?

Ist es nicht erst kurze Zeit her, dass ich in der Aula des Gymnasiums darauf gewartet habe, aufgerufen zu werden und diese neue Klasse mit vielen unbekannten Gesichtern kennenzulernen? Habe ich nicht erst gestern mit meinen besten Freundinnen auf der Bank im Stadtpark gesessen und Pläne geschmiedet, wie wir die Weltherrschaft an uns reißen können?

Und jetzt?

Die Fragen sind nicht mehr: Kann ich meinen Text für die Theater-AG? Haben wir gleich Deutsch oder Geschichte? Treffen wir uns vor der Abiparty am Freitag? Sind die Chemiehausaufgaben wirklich notwendig? Bei wem lernen wir am Wochenende Mathe?

Sondern: An welchen Unis bewerbe ich mich und wie macht man das? Bin ich wirklich geeignet für Deutsch und Mathe auf Lehramt? Könnten Germanistik und Linguistik mir Spaß machen oder wäre das einfach nur langweilig? Bringt es etwas, jetzt noch zur Studienberatung zu gehen und wann habe ich mal Zeit dafür?

Meine Haare sind dank des bombenfesten Haarsprays immer noch lockig, aber zerzaust und klebrig und meine Füße tun immer noch weh. Ich sollte duschen, nach einer Creme für die Füße suchen und danach vielleicht einmal anfangen, mich durch das Durcheinander an Online-Bewerbungen für die diversen Universitäten zu kämpfen.

Denn jetzt heißt es wirklich: Vorhang auf für die Zukunft!

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