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Bachelor live: Hochsensibilität

Anna

Autor:
Anna

Rubrik:
studium

05.04.2022

Schon vor meinem Psychologiestudium interessierte ich mich für das Thema Hochsensibilität, weil ich mich selbst ein wenig darin wiedererkannte.

Vielleicht hat der ein oder andere von euch ja auch den Eindruck, Stimmungen bei anderen Personen recht fein wahrzunehmen zu können, manchmal aber von den Reizen um sich herum überfordert zu sein? Oder sich viele tiefgreifende Gedanken zu machen? Seit den 1990er Jahren gibt es den Begriff „Hochsensibilität“, der diese Persönlichkeitseigenschaft beschreiben soll.

In der Wissenschaft spricht man statt von „Hochsensibilität“ von „hoher sensorischer Verarbeitungssensitivität“. Manche Menschen nehmen Reize also besonders intensiv wahr – von Lichtverhältnissen und Geräuschen der Umgebung bis hin zur Körperhaltung des Gegenübers oder eigenen Gedanken. Das kann dann dazu führen, dass auch positive und negative Emotionen stark empfunden werden. Viele Menschen mit hoher Verarbeitungssensitivität haben deshalb ein großes Bedürfnis nach Ruhe, können durch Musik oder Filme aber auch tief bewegt sein oder genießen es, sich künstlerisch auszudrücken. 

Vielleicht merkt ihr schon, dass es ganz schön schwierig ist, den Begriff zu fassen. Genau das ist auch einer der Kritikpunkte am Konstrukt „Hochsensibilität“. Je nach Studie sollen 15-25% der Menschen „hochsensibel“ sein. Allein diese Spannbreite zeigt wohl, dass es keine klare Grenze geben kann. Eine Einteilung in „hochsensibel“ und „nicht hochsensibel“, wie manche der im Internet kursierenden Fragebögen sie vornehmen, halte ich nicht für sinnvoll. Jeder hat eben ein anderes Level an Sensibilität und bei der Forschung zum Thema gibt es noch große Schwierigkeiten.

Viele Menschen geben jedoch an, sich in den Beschreibungen von Hochsensibilität wiederzuerkennen und in ihrer Wahrnehmung bestärkt zu fühlen. Mein Fazit als Psychologiestudentin daher: Dass „Hochsensibilität“ durch Ratgeber und Internetplattformen immer populärer wird, bietet die Chance, negativ wahrgenommene Eigenschaften wie „Überempfindlichkeit“ zu reflektieren. Ich glaube, viele Menschen können dadurch die zugrundeliegenden Charakterzüge (wie eine genaue Wahrnehmungsfähigkeit oder Einfühlungsvermögen) als Stärke anerkennen und entdecken. Trotzdem sollte man sehr vorsichtig mit dem Begriff „hochsensibel“ umgehen und Schwarz-Weiß-Denken vermeiden!