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Shoppen als Belohnung

Autor:
Enne

Rubrik:
studium

25.03.2021

Manchmal reflektiere ich Handlungen erst, wenn ich sie nicht mehr routiniert mache. In den letzten Wochen hinterfragte ich vor allem eine Sache, die durch die Pandemie gar nicht mehr so möglich war: Shoppen als Belohnung. Ja, sicherlich bin ich nicht die Einzige, die das macht, aber ich hätte ehrlich gesagt gar nicht gedacht, dass es mich doch so sehr betrifft. Ich habe früher sehr selten etwas im Internet bestellt, weil mir das immer zu umständlich war. Für mich gehörte zum richtigen Kauferlebnis auch der Tag in der Stadt. Manchmal habe ich den mit meiner Mutter oder mit einer Freundin verbracht, aber viel öfter bin ich alleine losgezogen. Ich wollte mich nicht in meiner Kaufentscheidung beeinflussen lassen und brauchte auch nie Rat, was mir zum Beispiel an Kleidung besser steht. Wahrscheinlich wollte ich auch nicht dafür bewertet werden, was und wieviel ich kaufte. Es war nie so, dass ich in großem Übermaß Geld ausgab. Ich kann aber jetzt rückblickend sagen, dass ich vieles nicht kaufte, weil ich es außergewöhnlich schön fand oder gar brauchte. Ich wollte es eher haben, weil ich dieses bestimmte Gefühl spüren wollte: die Erfüllung durch den Konsum. Die schnell geshoppte Freude, wie ihr sicher wisst, hält dann im besten Fall ein bis zwei und selten mehr Tage an, bis das einst Neue wieder alt ist. Jetzt, wo es erschwert oder sogar gar nicht mehr möglich war, unkompliziert von Laden zu Laden zu schlendern, merkte ich sogar kleine Entzugserscheinungen dieses fehlenden Kaufrauschs. Mein Mittel: Ich habe mich mit Minimalismus beschäftigt. Dazu habe ich auch verschiedene Aufräummethoden angewandt und mich öfter gefragt, ob mich das, was sich besitze, wirklich glücklich macht. Ich reflektierte, was Dinge mir bedeuten und habe langsam wieder die Geschichten hinter den Besitztümern wertgeschätzt. Mich haben vor allem Souvenirs und Bilder an Reisen erinnert, die mich viel glücklicher gemacht haben, als eine Shoppingtour. Und so versuche ich nun Schritt für Schritt auszusortieren, mich freier von Objekten und anderen Sachen zu machen und neue Quellen der Freude zu finden.

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