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Master live: Haarige Angelegenheit

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

07.05.2021

Als mich mein Wiener Friseur am 22.12.2021 fragte: „Die Seiten fünf Millimeter?“ tat er dies in weiser Voraussicht dessen, was da kommen würde. Lockdown reihte sich an Lockdown und mein Haar, das wuchs und wuchs. Ich anscheinend nicht, denn ich hatte ihm geantwortet: „Nein, nein, bitte wie immer längste Stufe an den Seiten.“ Ein großer Fehler.

Als ich im Februar in meine Prager WG einzog hatte ich eine Mähne sondergleichen. Es musste etwas passieren. Doch ich war nicht der einzige mit diesem Problem. Meine gesamte WG sowie weitere meiner Freunde in Prag hatten die gleichen Sorgen. Manch einer wagte einen Kahlschnitt – von 25 Zentimetern auf drei Millimeter. Andere rasierten ihre sowieso schon sehr kurzen Haare einfach nach. Auch ich wurde zur Schere gebeten – um „Spitzen zu schneiden“. Das war keine gute Idee, die Haarpracht der betroffenen Person war hinterher ungewollt 15 Zentimeter kürzer.

Auch meine „Frisur“, oder das was davon übriggeblieben war, musste schließlich dran glauben und wurde einheitlich auf sportliche sieben Millimeter heruntergeschoren. Eine ziemliche Trendfigur dieser Tage in Tschechien: Vom Premierminister bis zum Straßenbahnfahrer – es ist sichtlich zu erkennen, dass bei vielen Leuten daheim die Schärmaschine angeschmissen wurde und Ehepartner oder Freunde gebeten werden mussten, die Haare abzurasieren. Manch anderer geht zum Friseur um die Ecke, der vielleicht verbotenerweise doch offen hat.

Wann ich mal wieder beim Friseur sein werde ist ungewiss. Aber da man ja gerade sowieso wenig unter Leuten ist, bin ich mit meinen sieben Millimetern eigentlich auch ganz zufrieden. Wächst ja wieder.