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Master live: Hört ihr die Signale?

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

24.05.2021

Jeden ersten Mittwoch im Monat kurz vor 12 Uhr mittags ist es soweit. Meist sitze ich in irgendeine Arbeit am Computer vertieft am Schreibtisch, während ich auf einmal eine tiefe, verzerrte Männerstimme höre: „Test of sirens, test of sirens, test of sirens. Test of sirens will continue within several minutes. Test of sirens, test of sirens, test of sirens“, sagt sie und anschließend das gleiche nochmal auf Tschechisch. Einige Augenblicke später ist es dann soweit. In der Regel habe ich bereits das Fenster geöffnet, lehne mich sogar hinaus und lausche. Dann erklingt für 140 Sekunden ein Ton, der das Zwitschern der Vögel, das Rauschen der sechsspurigen Straße und die Geräusche der Stadt übertönt. Manchmal schicke ich sogar ein paar Freunden ein Video: „Es ist wieder soweit. Sirenentest.“

Natürlich kenne ich das Erklingen der Sirene zu Probezwecken auch von Zuhause aus Deutschland. Während in Deutschland aber viele Landkreise die Sirenentests individuell gestalten, ist es in Tschechien nach wie vor der erste Mittwoch um 12 Uhr – und das seit fast 20 Jahren einheitlich im ganzen Land. Zudem ist die Sirene in meinem WG-Zimmer wirklich nicht zu überhören.

Der Sirenentest begeistert dabei aber nicht nur mich: So veranstaltet der Tschechische Rundfunk in Zusammenarbeit mit dem Orchestr Berg regelmäßig die Reihe „Musik zur Sirene“. Hier werden Stücke gespielt, die eigens zum Klang der Sirene komponiert wurden. Vereinzelt wurde der Sirenentest in der Vergangenheit aber auch ausgesetzt, beispielsweise bei Naturkatastrophen oder auch in der ersten Welle der Covid-Pandemie, um in der Bevölkerung keine Panik hervorzurufen.

Bereits jetzt freue ich mich in jedem Falle auf den nächsten Sirenentest am ersten Mittwoch im neuen Monat. Kurz nach 12 ist das ganze ja auch schon wieder vorbei. Dann kehre ich zurück an den Schreibtisch und widme mich wieder meinem Tagwerk.