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Master live: Jede Hundertstelsekunde zählt

Foto von abi>> Blogger Ferdinand

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

09.12.2020

Da mein Studiengang neben „Literatur“ und „Kunst“ auch „Übersetzen in Medien“ heißt, belege ich gerade ein Seminar zum Untertiteln von Filmen – und lerne dabei so einiges Neues.

Ich hatte zwar bereits in der Vergangenheit Filme untertitelt, im Seminar kann ich dennoch einiges dazu lernen. Meine Aufgabe ist es, Ausschnitte aus dem Film „Cerny Petr“ („Schwarzer Peter“) von Milos Forman aus dem Jahr 1964 zu übersetzen. Nach der Filmanalyse beginnt dabei die eigentliche Arbeit mit dem Transkript, das heißt dem Abschreiben der ausgewählten gesprochenen Passagen. Da im Seminar verschiedene Sprachgruppen vertreten sind, müssen wir im Anschluss – wie ich es aus anderen Lehrveranstaltungen bereits kenne – Interlinearübersetzungen anfertigen. Das heißt: Wort für Wort übersetzen.

Und dann beginnt die eigentliche Untertitelung. Da die Medienlabore der Universität coronabedingt geschlossen sind, verwenden wir hierfür Freeware auf unseren eigenen Rechnern. Zentraler Indikator beim Untertiteln sind die „characters per second“, die CPS-Zahl. Im Programm werden die CPS direkt beim Untertiteln angezeigt. Im Idealfall sollten sie zwischen 13 und 17 liegen, denn zu schnelle Untertitel kann das menschliche Auge nicht lesen und wenn ein Untertitel zu lange steht, fängt der Zuschauer automatisch an, wieder von vorne zu lesen. Doch es gibt noch vielmehr zu beachten, beispielsweise die maximale Zeilenlänge, oder dass zwischen zwei Untertiteln genügend Frames liegen. Und natürlich das Spotting – also Timing – generell. Ein Untertitel darf nicht zu früh und nicht zu spät eingeblendet werden. Auch Orthografie und Grammatik müssen stimmen, denn jeder der es schon einmal erlebt hat, wird mir zustimmen, dass Fehler bei Untertitelungen sehr stark auffallen.

Neben diesen technischen und sprachlichen Herausforderungen muss man beim Untertiteln vor allem überlegen, was der eigentliche Inhalt einer Aussage ist. Es ist ein permanentes Kompromisse machen und Abwägen, welche Informationen man auslassen kann, damit die Grundaussage dennoch verständlich bleibt. Oft muss der Untertitler überlegen, ob es für ein bestimmtes Wort ein kürzeres Äquivalent gibt. Aus dem Satz: „Ich habe dann einfach nicht mehr daran gedacht, dir das Geld zurückzugeben“ (74 Zeichen) kann dann schon einmal ein „ich habe es einfach vergessen“ (29 Zeichen) werden. Eine ganz schön heikle Angelegenheit also. Deshalb lektorieren wir im Seminar auch gegenseitig unsere Arbeiten und geben uns gegenseitiges Feedback. Denn ein Untertitel-Meister ist wahrlich noch nicht vom Himmel gefallen.