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Master live: Lektorieren

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

05.01.2021

Unmengen von Texten werden geschrieben, mit den verschiedensten Inhalten, in den verschiedensten Stilen. Alle werden sie – im Idealfall – vor einer geplanten Veröffentlichung noch einmal auf Herz und Nieren geprüft, sprachlich bereinigt, den Vorstellungen des Publikums angepasst, seien es Rechtstexte, Bedienungsanleitungen oder ein neuer Roman. So wird zum Beispiel auch dieser Text hier, bevor er veröffentlicht wird, von einer Redakteurin lektoriert.

Auch viele Übersetzer fertigen Texte an, die von einem Lektor überarbeitet werden und oft sind sie als Teil ihrer Arbeit auch selbst Lektoren (ein Spezialfall dessen kann auch das Postediting mit Machine translation erzeugter Texte sein). Aus diesen Gründen beschäftigen wir uns im Studium nicht nur mit dem Übersetzen und dem Literarischen Schreiben, sondern auch mit dem Lektorieren von Texten.
Zum einen findet das in den jeweiligen Übungen und Seminaren statt. Wir bekommen entweder Feedback vom Dozenten, mit der Bitte dies und jenes in einer Überarbeitung noch einmal zu ändern. Oder – der häufigere Fall – wir Studierenden lektorieren unsere Übersetzungen gegenseitig. Konkret heißt das, dass wir den Text des anderen in Word öffnen, mit aktivierter Änderungsverfolgung überarbeiten, ggf. einige Stellen kommentieren und den Text schließlich – nicht selten kunterbunt vor Anmerkungen – wieder an den Kommilitonen zurücksenden.
Dass Lektorieren dabei mehr ist, als nur das Ausbessern von Tippfehlern oder falscher Kommasetzung, erfahren wir auch in einem eigens dafür vorgesehenen Seminar. Oft behandeln wir übersetzte Texte, bei denen es Interferenzfehler gibt, oder eine Schreibweise nicht konsistent benutzt wird – von grammatikalischen oder lexikalischen Fehlern einmal abgesehen. Bei so einem Lektorat dringt man dabei – anders als bei einem Korrektorat, welches nur offensichtliche Fehler beseitigt – ziemlich tief in den Text ein, um auch sachliche Fehler zu berichtigen. Ich habe beispielsweise in den letzten Wochen auf Google Maps die Lage spanischer Traumstände nachvollzogen, die Lebensgeschichte russischer Balletttänzer nachgeschlagen oder zur Märzrevolution 1848 recherchiert, wenn Aussagen in Texten unklar waren und einer Prüfung bedurften.
Ähnlich wie beim Übersetzen macht es mir auch beim Lektorieren viel Freude, in die verschiedensten Fachgebiete einzudringen und mich mit den verrücktesten Themen zu beschäftigen. Und so bin ich trotz der oftmals ziemlich aufwendigen Texttüftelei schon gespannt, was mich im Studium und vielleicht auch danach noch so an zu lektorierenden Texten erwartet.