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Das M&Ms-Semester

Ein Porträt-Foto von Maril

Autor:
Maril

Rubrik:
studium

08.05.2023

Das 6. Semester soll innerhalb des Medizinstudiums in Leipzig angeblich das entspannteste des gesamten Studiums sein. Zumindest haben das die Kommiliton*innen aus höheren Semestern erzählt. Solche Kommentare können beruhigend sein, aber sie bauen auf ihre Art auch Druck auf. Die Aussage impliziert nämlich, dass, wer in diesem Semester keine gute Zeit hat, sie wohl nie wieder haben wird. Sehr motivierend, danke dafür. Mir ist wie allen anderen Medizinstudierenden klar, dass ich mir ein Vollzeitstudium ausgesucht habe. Mir graut aber vor dem Moment, wenn das 7. Semester beginnt und irgendjemand aus einem höheren Semester mich verschwörerisch angrinst und meint: Ab jetzt geht das mit dem Stress erst richtig los. Vielleicht muss ich aber auch einfach nur die richtigen Leute um Rat fragen. Stress ist nun einmal sehr subjektiv. Manche kommen mit den vorklinischen Fächern viel besser klar als mit jedem Fachbereich danach. Andere blühen erst mit den Untersuchungskursen richtig auf, wenn sie endlich mit richtigen Patient*innen zu tun haben. Bei ihnen nimmt der Stress im Verlauf des Studiums stetig ab. Und falls man aber gar niemanden finden sollte, der die eigenen Sorgen versteht, dann sucht man sich einfach ein paar Nicht-Mediziner*innen. So ein mitfühlendes „Das wird schon!“ kann auch schon eine Hilfe sein.

Aber was kümmert mich eigentlich das Thema Stress, wenn ich doch gerade das entspannteste Semester des Studiums absolviere? Was meinen Stundenplan angeht, so erscheint der gerade wirklich nicht besonders voll oder anstrengend. Jeden Tag zwei Vorlesungen bis Mittag, danach Seminare und Praktika. Allerdings nur ab und zu und in einem sehr unregelmäßigen Rhythmus. Jede Woche ändert sich der Stundenplan. An manchen Tagen bin ich quasi von 8 bis 18 Uhr in der Uni. An anderen Tagen steht bis auf die Vorlesungen gar nichts an. Und wie das mit Vorlesungen eben so ist: Hingehen muss man nicht unbedingt. Manche lohnen sich, in anderen habe ich meine Begeisterung für Tic-Tac-Toe wiederentdeckt. Vom Zeitplan her scheint mir das Semester demnach wirklich angenehm zu sein – bis auf die Tatsache vielleicht, dass es gar nicht so einfach war, einen Unisportkurs zu finden, der mit diesem unsteten Stundenplan zu vereinbaren war. Am Ende des Semesters stehen sogar nur sage und schreibe drei Klausuren an, da kann ich mich wirklich nicht beschweren.

Im Kern habe ich auch nur zwei Fächer: Pharmakologie und Mikrobiologie. Medikamente und Mikroorganismen also, kurz M&Ms, wie wir die Kombi in meiner Seminargruppe liebevoll getauft haben. Beide Fächer sind meiner Meinung nach unglaublich wichtig. Ich bin immer noch nicht ganz darüber hinweg, dass Medizinstudierende nur ein Semester lang Pharmakologie haben. Da ich später gerne als Hausärztin arbeiten würde, werden Medikamente immerhin den Großteil meines Jobs ausmachen. Außerdem wird fundiertes pharmazeutisches Wissen nicht nur unter den Fachärzt*innen der Allgemeinmedizin benötigt. Medikamente gehören fast immer zur Therapie, in welcher Form auch immer. Natürlich wird jeder Fachbereich bei der Vorstellung der jeweiligen Krankheitsbilder auch noch mal explizit auf die medikamentöse Therapie eingehen. Trotzdem fühlt es sich für mich momentan seltsam an zu wissen, dass ich mich im 6. Semester meines Studiums das erste und letzte Mal ausschließlich mit Pharmakologie beschäftigt habe. Womöglich bin ich da aber auch etwas vorbelastet. Mit einer Apothekerin als Mutter weiß ich schon mal, was ich später als Ärztin alles nicht machen sollte, um die Apotheke meines Vertrauens nicht in den Wahnsinn zu treiben.