Mit Visum ans Kap der guten Hoffnung

Verschiedene Wörterbücher
Sprachtalent erforderlich: Südafrika hat elf offizielle Amtssprachen.
Foto: Thomas Lohnes

Arbeiten in Südafrika - Hintergrund

Mit Visum ans Kap der guten Hoffnung

Weiße Traumstrände, wilde Tiere und aufregende Städte – all das verbindet man mit Südafrika. Aber auch: Armut und eine hohe Kriminalitätsrate. Wer in diesem vielfältigen Land leben und arbeiten möchte, sollte sich im Vorfeld gut informieren und von Deutschland aus eine Arbeitserlaubnis beantragen.

Wer die Vielfalt Südafrikas erleben und dabei Geld verdienen will, hat gute Chancen auf Arbeit: „Grundsätzlich gibt es einen hohen Bedarf an Fachkräften. Die Bedingungen für die Ausstellung eines Arbeitsvisums sind jedoch nicht unkompliziert,“ weiß Matthias Rauhut von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit.

„Hat man eine Firma gefunden, die Mitarbeiter nach Südafrika entsenden möchte, ist es relativ einfach. Die Firmen haben in der Regel Personalabteilungen, die sich um die sogenannten ‚Corporate Visa‘ kümmern.“ Ansonsten ist Geduld gefragt. Weil das Prozedere zwei bis drei Monate dauern kann, empfiehlt es sich, möglichst früh mit der Planung anzufangen.

Beste Chancen im Tourismus

Ein Porträt-Foto von Matthias Rauhut

Matthias Rauhut

Foto: privat

Nicht-Südafrikaner erhalten eine „Work Permit“, also eine Arbeitserlaubnis, auch abhängig von der jeweiligen Branche. „Relativ einfach ist es, für eine Tätigkeit im Tourismusbereich eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Es gibt einen großen Bedarf an Arbeitskräften in der Hotellerie, Gastronomie, in den Safari-Camps und Lodges“, sagt Matthias Rauhut. „Aber auch Ingenieure, Informatiker, Architekten, Mediziner und Pflegepersonal, Städteplaner und Entwicklungshelfer werden gebraucht.“

Weil die Arbeitslosigkeit in Südafrika bei etwa 25 Prozent liegt, muss laut Gesetz erst geprüft werden, ob die Stelle mit einem Südafrikaner besetzt werden kann, auch wenn unter den Einheimischen häufig keine Fachkräfte zu finden sind. Gründe dafür sind unter anderem das Ausbildungssystem. „In Südafrika gibt es keine duale Ausbildung wie in Deutschland“, erklärt Matthias Rauhut. „In Schulen wird nur Wissen vermittelt, die Praxis wird erst im Beruf selbst erlernt, dann heißt es ‚learning by doing‘.“ Aber auch akademisches Fachpersonal ist nicht immer leicht zu finden. „Südafrikaner gehen selbst oft ins Ausland, um der Unsicherheit durch den politischen Wandel und der schlechten Wirtschaft zu entfliehen“, erklärt der Experte.

Sprachkenntnisse sind für einen längeren Aufenthalt in Südafrika unerlässlich. Insgesamt gibt es elf Landessprachen, von denen Englisch, Französisch und Afrikaans wohl die bekanntesten sind.

Weingüter vor der Haustür, Wüstengebiete ums Eck

„Kapstadt hat ungeheuer viel zu bieten“, weiß Matthias Rauhut: „Weingüter vor der Haustür, den Ozean, das Kap der Guten Hoffnung, wo sich der Indische Ozean und der Atlantik treffen. Die Wüstengebiete sind nah, sogar Straußenfarmen gibt es in der Umgebung.“ Während aber das Klima in Kapstadt gemäßigt ist, ist es im nordöstlicher gelegenen Johannesburg viel heißer und das Klima nicht jedermanns Sache. An der Grenze zu Botswana gibt es Berge mit bis zu 2.000 Metern Höhe. Wer dort in Safari-Camps arbeitet, hat nicht nur mit der Höhenluft zu kämpfen, sondern auch mit der nächtlichen Kälte im Winter.

Insbesondere für diese speziellen Aufenthalte sollte man entsprechende Impfungen einplanen: „Wer vorhat, in einem Nationalpark zu arbeiten, sollte auf jeden Fall vorher einen Arzt aufsuchen und sich über Impfschutz informieren“, rät Matthias Rauhut.

Hohe Kriminalitätsrate

An die Lebensbedingungen sollte man sich nicht nur in kultureller und klimatischer Hinsicht anpassen: „Auch die Kriminalität kann kritisch sein. Man muss schon aufpassen und sollte nicht zu deutlich signalisieren, dass man aus Europa kommt“, warnt Matthias Rauhut. Meist jedoch lebt man sich schnell ein. Und: „Freundschaft und Hilfsbereitschaft werden hier noch groß geschrieben.“

Weitere Informationen

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit
Die Seite berät Arbeitnehmer und Arbeitgeber zum internationalen Arbeitsmarkt und vermittelt Arbeitsstellen in der ganzen Welt.
www.zav.de

 

Deutsche Industrie- und Handelskammer fu?r das su?dliche Afrika (AHK)
http://suedafrika.ahk.de

 

Jobbörse KapstadtJobs
http://kapstadtjobs.de

 

Südafrikanische Botschaft
https://www.suedafrika.org/visa-immigration.html

 

Auswärtiges Amt
(Reise- und Sicherheitshinweise)
www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/suedafrika-node/suedafrikasicherheit/208400

 

Arbeiten in Südafrika

Verlässlich scheint die Sonne

Für viele klingt es wie ein Traum, auf einem fremden Kontinent zu arbeiten. Der Bremer Marc Kröger (29) verbringt insgesamt knapp fünf Jahre in Südafrika und will die Erfahrung auf keinen Fall missen.

„Für mich ist es ein kleines Abenteuer, in Südafrika zu sein, und ich lerne immer wieder etwas Neues“, erzählt Marc Kröger. Als Tradelane-Manager bei „DSV - Air & Sea Johannesburg“ ist der Logistik- und Speditionskaufmann zuständig für Handelsrouten (Tradelane) und Bindeglied zwischen den Unternehmensstandorten Südafrika und Deutschland. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem, den südafrikanischen Markt zu analysieren, potentielle Neukunden zu suchen sowie Handelsbeziehungen aufzubauen und zu pflegen.

In ihren Abläufen und ihrer Systematik ist die Arbeit die gleiche wie in Deutschland, auch wenn im Büro Englisch und teilweise Afrikaans gesprochen wird. „Unterschiede im Arbeitsleben entstehen durch die Mentalität. In Deutschland ist alles etwas strenger, und hier ist das Miteinander herzlicher und fröhlicher. Aber es scheint auch immer die Sonne, der Himmel ist blau, und in der entsprechenden Stimmung kommen die Menschen zur Arbeit. Selbst wenn wir Stress haben, gibt es immer einen Grund zu lachen.“

Probleme, die wir in Europa gar nicht kennen

Ein Porträt-Foto von Marc Kröger

Marc Kröger

Foto: privat

Trotzdem läuft nicht immer alles reibungslos. „Hier in Südafrika gibt es Probleme, die wir in Europa gar nicht kennen. Zum Beispiel kann mal der Strom ausfallen und wir können eine Weile weder telefonieren noch E-Mails lesen. Das gehört hier zum Alltag.“

Weil er schon mit seinen Eltern und Geschwistern viel gereist ist und später an einem Schüleraustausch mit Shanghai teilgenommen hat, wusste Marc Kröger, dass er einen Beruf ergreifen will, der ihn in ferne Länder führt. Direkt nach dem Abitur 2008 startete der gebürtige Hamburger seine Ausbildung zum Logistik- und Speditionskaufmann bei DSV in Bremen. Er verkürzte auf zweieinhalb Jahre und erkundigte sich zum Ausbildungsende hin nach Möglichkeiten, für die Firma im Ausland zu arbeiten. „Ich konnte zwischen Mexiko und Südafrika wählen und entschied mich 2013, für zwei Jahre nach Südafrika zu gehen.“

Anschließend kehrte er nach Deutschland zurück, gerade als seine Firma ein weiteres globales Unternehmen aufgekauft hatte. Für den durch die Übernahme immens vergrößerten Standort Südafrika wurde jemand mit Erfahrung gesucht. Weil die Bedingungen stimmten, willigte Marc Kröger ein und zog erneut nach Johannesburg.

Vom südafrikanischen Alltag

Das alltägliche Leben ist nicht grundsätzlich anders als das in Deutschland. Am Wochenende trifft sich Marc Kröger mit seinen Freunden zum Grillen, das hier „Braaien“ heißt. Da die Sonne tagsüber verlässlich scheint, machen Menschen gerne draußen Sport und auch Marc Kröger joggt regelmäßig gemeinsam mit Freunden oder geht mit ihnen auf Moutainbike-Tour. Innerhalb Südafrikas unternimmt er gerne Kurztrips an verlängerten Wochenenden. Seine Urlaube nutzt er, um angrenzende Länder wie Namibia oder Botswana kennenzulernen.

Eine wirklich brenzlige Situation hat Marc Kröger nicht erlebt: „Johannesburg ist definitiv eine gefährliche Stadt, aber trotzdem kann ich alles ganz normal machen. Ich gehe aus und treffe meine Freunde. Es gab in den fünf Jahren nie eine Situation, die für mich seltsam war“, berichtet er. „Meine Wohnung ist zwar in einem gesicherten Komplex, der nur mit Fingerabdruck zu betreten ist, aber trotzdem ist es eine für hiesige Verhältnisse ganz normale Wohngegend.“

In einem knappen Jahr wird der 29-Jährige nach Deutschland zurückkehren: „Ich möchte wegen meinen Freunden und meiner Familie zurück und mal wieder ein Fischbrötchen essen.“

Südafrika in Zahlen und Fakten

Amtlicher Name: Republik Südafrika

 

Hauptstadt: Pretoria (Executive), Kapstadt (Legislative), Bloemfontein (Judikative), Regierungssitz ist Pretoria

 

Einwohnerzahl: 55,4 Millionen (2017)

 

Währung: Rand

 

Größte Metropolen: Johannesburg (4,5 Millionen Einwohner), Kapstadt (3,7 Millionen Einwohner)

 

Klima: Durch seine Größe und mehrere andere Faktoren bedingt (Meeresströme, Höhenlage), variiert das Klima zwischen den verschiedenen Teilen des Landes. Die Region um Kapstadt herum weist ein mediterranes Klima auf.

 

Vielfalt der Landschaften: Landschaftlich hat Südafrika viel zu bieten. Es gibt Wüsten, Trockensavannen, Buschland, Regenwälder, Lagunen und Feuchtgebiete, Hochplateaus, Mittelgebirge und Hochgebirge. Außerdem verfügt das Land über eine 2.000 Kilometer lange Küste mit zahllosen Traumstränden.

 

Landessprachen: Es gibt elf verschiedene Landessprachen, darunter Englisch und Afrikaans

 

Küche Südafrikas: Die südafrikanische Küche ist sehr fleischlastig. Hier wird überdurchschnittlich oft gegrillt („Braai“), vor allem Boerewors, eine scharfe, grobe Wurst, die sich aber nicht alle leisten können. Die ärmere Bevölkerung kommt häufig ohne Fleisch aus. Sie essen gerne Maisbrei, der Mealie Pap genannt wird. Als Snack essen Südafrikaner gerne Biltong, eine Art getrocknetes Fleisch aus Rind oder Wild.

 

Trinken: Südafrika hat mit die beste Wasserqualität der Welt; die südafrikanischen Weine sind ausgezeichnet. Das populärste alkoholische Getränk bei der schwarzen Bevölkerung ist Bier.

 

Nationalparks: Der bekannteste von insgesamt 22 Nationalparks ist der Kruger Nationalpark mit 20.000 Quadratkilometern. Der 12.000 Quadratkilometer große Garden Route Nationalpark liegt in der Westkap-Provinz. Der Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark ist mit 38.000 Quadratkilometern der größte, liegt im Norden des Landes und umgibt die Kalahari-Wüste.

 

Zahl deutscher Auswanderer: Etwa 100.000 deutsche Bundesbürger haben ihren ständigen Wohnsitz nach Südafrika verlegt (Stand 2015).


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Stand: 09.12.2019