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Studentenleben live

Wie ein Nomade oder Jäger

Autor:

Rubrik:
studium

25.07.2011

Wie ein Nomade oder Jäger, der durch ein weites Gebiet streift und sich für Hunger, Durst, Müdigkeit und schlechtes Wetter wappnen muss – so habe ich mir auf meinen Streifzügen durch Uni und Stadt einige solche Orte gesucht, an denen ich etwas zu essen und zu trinken finde, wo ich mich hinlegen kann, wenn ich müde bin, wo ich Unterschlupf bei schlechtem Wetter und Schutz vor der Sonne finde. Am schwierigsten war es für mich, Orte der Erholung zu finden. Müdigkeit überkommt mich immer wieder sehr spontan. Dieser Müdigkeit will ich nachgeben können, sie nicht bekämpfen oder unterdrücken. In der Bibliothek zum Beispiel habe ich inzwischen zwei Stellen, wo ich mir ein paar Bücher aus dem Regal greife – als Kopfkissen sozusagen – und mich dann unter einen Tisch schlafen lege. Es passen nur Kopf und Oberkörper darunter. Die Beine schauen dann noch heraus. Einmal hat sich jemand erschreckt und dachte, mir sei etwas passiert. Doch meist schlafe ich gleich ein und bekomme dann, bis ich zehn oder zwanzig Minuten später wieder aufwache, sowieso nichts mit. Und dieser kurze Schlaf ist so erfrischend. Ohropax und eine Schlafbrille aus dem Flugzeug gehören zu meinem Standardgepäck. Im Sommer ist zum Glück der Park nicht weit weg, aber was, wenn es mal wieder regnet oder doch zu kühl ist?

Die Uni denkt an alle mögliche Bedürfnisse des Menschen, nur an seine Müdigkeit nicht – gleichsam, als sei es ein Tabu. Der Mensch darf nicht ruhen, nur stehen, sitzen, gehen. Dabei ist das „power-napping“ – kurzer erholsamer Schlaf am Tage – in anderen Kreisen schon längst etabliert. Selbst die mit ihrer Zeit so geizenden Wall-Street-Händler haben dies erkannt und schlaue Unternehmer bieten ihnen die Räumlichkeiten für einen kurzen erholsamen Schlaf – zur Steigerung der eigenen Produktivität.

In unserer Bibliothek könnte man doch wunderbar ein paar Schlafbänke oder, wie im gedrängten Japan ‚Schlafröhren‘ aufstellen. Gerade für ein erfolgreicheres Lernen braucht doch unser Geist auch seine Ruhe, seinen Schlaf. Nun, bis diese Erkenntnis irgendwann Common Sense geworden ist, werde ich mir auf den beschriebenen Wegen und mit meiner Spezialkarte erst einmal auszuhelfen wissen.

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