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Studentenleben live

Mitfahrgelegenheitschaos

Da es ja nicht so einfach war, ein billiges Bahnticket nach Rom zu bekommen (wie ich in meinen Eintrag „Europa-Spezial" ja schon berichtet hatte), hatte ich mich entscheiden mit einer Mitfahrgelegenheit zu fahren. Nicht das ganze Stück natürlich. Aber bis nach Mailand, dachte ich mir, kann ja eigentlich nichts schief gehen. Das ist eine kürzere Strecke als zu mir nach Hause. Wie schön ist es doch, dass Freiburg so weit südlich liegt! Ich war also pünktlich um sechs Uhr früh in Freiburg Haid (für alle, die es nicht kennen: ein Industriegebiet aus dem Bilderbuch). Als das Auto kam, war ich erstmal verwundert. Ein Kleintransporter mit einem Schild „Im Auftrag von Hermes". Das muss ja wirklich ein armer Schlucker sein, wenn er auf seine Paketausfahrtour noch Mitfahrer mitnimmt. Oder ein ganz schlauer Fuchs. Als ich im Auto saß, bemerkte ich den weder kleinen noch feinen Riss in der Frontscheibe. Nach circa zehn Minuten fragte mich mein Fahrer, ob ich mal gucken könnte, ob die Bremslichter gehen. Sie gingen nicht. Auch nach dem Glühbirnenwechsel nicht. Ich hatte ein Ticket für den Zug von Mailand nach Rom um 13 Uhr und ich sah die Zeit förmlich vor meinen Augen verrinnen. Gott sei Dank hatte er den Schaden schon kurz nach Freiburg gemerkt und so viel Mitleid mit mir, dass er mich noch zum Hauptbahnhof fuhr. Dass diese Fahrt für mich ein teurer Spaß wurde, kann man sich denken. Wer Lust hat, kann ja mal bei der Deutschen Bahn gucken, was es kostet auf direktem Weg nach Rom zu fahren. Den Zug in Mailand hatte ich um drei Stunden verpasst. Aber die Strecke durch die gesamte Schweiz, vorbei an den Bergen, am Lago di Lugano und Como (hier wurde Plinius der Jüngere geboren, zu dem ich letztes Semester ein Seminar hatte!) war die Strapazen wert. Der Ausblick war wirklich wunderschön! Und wie mir eine Frau versicherte, die am Freiburger Hauptbahnhof meine Tragödie mitbekam – materieller Verlust ist doch der geringste Verlust, den man haben kann. Man möchte sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn wir mit dem Schrottauto auf der Autobahn einen Unfall gehabt hätten.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Nov 12, 2012
Autor: Rose
Rubrik: studium
Nov 12, 2012

Studentenleben live

Unser neuer Uni-Campus — futuristisch, funktional, steril

Seit diesem Semester können wir auch das neue Hauptgebäude unseres Uni-Campus‘ nutzen – das Augusteum. Hier stand vor 500 Jahren noch ein Kloster, mit der Reformation wurde es der Universität übertragen und dann im zweiten Weltkrieg beschädigt. Die SED wollte mit allem Alten brechen und sprengte das Gebäude und die daneben stehende Uni-Kirche vor fast 50 Jahren. Mittlerweile wurden sie aber wieder aufgebaut. Die neuen Gebäude haben die gleiche Silhouette, sehen aber doch ganz anders aus – viel Glas, Stahl und ein paar Fassadensteine. Auf der einen Seite geht es hinunter in die unterirdische Fahrradgarage. Dort ist auf zwei Etagen Platz für vielleicht 1.000 Fahrräder – diebstahlsicher und trocken – sonst würde der Campus in Fahrrädern untergehen. Von dort geht ein Aufzug in dem, was mal der Kirchturm war, hoch zum Audimax oder noch höher zu den Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern. Dem Geist der Zeit entsprechend bekommen die natürlich die modernsten Gebäude – wobei Historiker und Philosophen sich hier wahrscheinlich gar nicht wohl fühlen würden. Ganz angenehm ist jedoch die große Halle um das Audimax herum. Ein großer Raum mit himmelragend-hohen weißen Säulen, an einer Wand beeindruckende Grabmale aus der zerstörten Kirche – einer mit Sensenmann und Totenschädel. In einer Ecke befinden sich einige Reihen von Tischen mit integrierten Computern oder mit Steckdosen für den eigenen Laptop. Hier herrscht eine ganz angenehme Atmosphäre. Ich komme gerne her, um in Ruhe etwas zu lesen oder zu arbeiten. Wenn mir mal langweilig wird wirbele ich einfach auf den am Boden festgeschraubten Drehstühlen herum, bis mir schwindelig wird. Ansonsten kommt ja kein Leben in diesen sehr funktionalen, aber auch ziemlich sterilen Ort.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 8, 2012
Autor:
Rubrik: studium
Nov 8, 2012

Ausbildung in den Medien

Die Bombe platzt

Der Tag fing ganz ruhig an. Vor meiner Nachmittagsschicht checkte ich wie üblich die letzten Nachrichten, um gut vorbereitet in die Redaktionskonferenz zu gehen. Und dann plötzlich das:

+++Eilmeldung+++ FLUGHAFEN BER: ERÖFFNUNGSTERMIN ABGESAGT +++Eilmeldung+++

Ich konnte zunächst gar nicht glauben, was ich da las, aber als auch andere Zeitungen die Meldung brachten, war die Sache klar: Die groß angekündigte Eröffnung des neuen Berliner Flughafens in knapp einem Monat war tatsächlich auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Mit dem Gefühl im Bauch, dass das heute ein ziemlich intensiver Tag in der Redaktion werden könnte, machte ich mich auf den Weg zum Studio. Am Fahrstuhl traf ich dann auch schon auf meinen Kollegen, der mit Mikrofon bewaffnet aus der Tür stürmte. „Stimmen von der Straße sammeln!!!“, rief er mir noch im Vorbeilaufen zu. Das konnte ja noch heiter werden...

In den Redaktionsräumen angekommen, war schnell klar, dass Pausen heute eher Mangelware sein würden. Ich wurde sofort mit einem Zettel ausgestattet, auf dem an die zwanzig Telefonnummern standen: „Anrufen und Meinungen einholen!“, hieß es nur. Also ließ ich die Leitungen glühen und rief bei Flughafenbetreibern, Experten und Politikern an, um fleißig O-Töne zu sammeln. Am Ende des Tages wusste ich nicht mehr, wie viele Menschen ich angerufen hatte, aber mein halb-taubes Ohr sagte mir, dass es auf jeden Fall genug gewesen sein mussten.

Als die letzten Kollegen nach Hause gingen und so langsam wieder so etwas wie Ruhe in der Redaktion einkehrte, war ich zwar erschöpft, aber irgendwie auch zufrieden. Denn: Für solche Tage lebt man als Radio-Journalist. Tage, an denen sich die Nachrichten überschlagen und man bei all der Hektik einen kühlen Kopf bewahren muss, um die Hörer gut zu informieren; und dass nicht erst am nächsten Tag, sondern dann, wenn es passiert!

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Nov 6, 2012
Autor: Leon
Rubrik: studium
Nov 6, 2012