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Studentenleben live

Von verwirrten Professoren

Und manchmal sitzt man abends vor dem Laptop und starrt desinteressiert auf den von blinkenden Werbeanzeigen übersäten Bildschirm, checkt ahnungslos und mehr nebenbei seine Mails, liest den erlösenden Standardsatz „Für Ihre Veranstaltung wurde ein Ausfalltermin eingetragen“ und ... ist meistens erleichtert, weil man ausschlafen kann oder die Texte erst für die nächste Woche vorbereiten muss. Vielleicht ist man ein bisschen enttäuscht, dass es wieder die falsche Veranstaltung getroffen hat, oder regt sich künstlich darüber auf, dass die Dozentin irgendeinen Selbststudium-Arbeitsauftrag angesetzt hat, aber ein bisschen Zeit außerhalb des Hörsaals passt gerade im Sommersemester doch so ziemlich jedem ganz gut in den Kram.

Kein großes Thema also, nichts Besonderes und eigentlich keinen Beitrag wert. Aber neulich war das Ganze ein bisschen anders: Literaturwissenschaft. Gut 100 Studenten sitzen im Hörsaal 1.101 und warten. Tauschen Erlebnisse der letzten Partys aus, kreieren Übungsaufgaben für die nächste Nachhilfestunde, unterhalten sich über die Online-Aufgabe, die fünf Stunden zuvor hochgeladen werden musste, über Umberto Eco, über das Mittagessen in der Mensa, über Spliss, Friseurtermine, Shoppingtouren und Ballkleider… Doch vorne steht kein Dozent.

Naja, vielleicht kommt er ja gleich. - Der steht bestimmt im Stau. - Wo wohnt der eigentlich? - Der hat eh nur keine Lust. - Wetten, der hat's verpeilt? - Ich sag' da lieber nichts zu, vielleicht ist ihm am Ende wirklich was passiert und dann tut's mir leid, was ich gesagt habe.
Meinungen teilen sich, Gesprächsthemen versteifen sich auf seine Abwesenheit. Die ersten leiten die Aufbruchstimmung ein, ein paar warten weiter, ziehen nach, als die letzte Hoffnung geht und die nächste S-Bahn kommt.

Und dann sitzt man wieder abends vor dem Laptop und starrt desinteressiert auf den von blinkenden Werbeanzeigen übersäten Bildschirm, checkt ahnungslos und mehr nebenbei seine Mails und sieht, dass seine Online-Aufgabe genau in dem Zeitraum, in dem das Seminar stattgefunden hätte, bewertet wurde und ist nachhaltig irritiert. Eine Kommilitonin fragte ihn dann tatsächlich, wo er gewesen sei. Seine Antwort: „Es tut mir leid, dass ich im Semesterplan vergessen hatte, die gestrige Sitzung als Ausfalltermin einzutragen. Bis nächsten Dienstag – versprochen!“

Professoren sind eben auch nur Menschen.

 

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Jun 5, 2013
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Jun 5, 2013

Studentenleben live

Höher, schneller, weiter - unsere Uni-Bibliothek

Bis Mitternacht hat sie jetzt auf und Bücher kann ich mir an den Ausleihautomaten auch danach noch ausleihen. Ein riesiges Magazin ist nun öffentlich. Ich muss das Buch nicht mehr am Vortag bestellen, um es dann zwischen 10 und 17 Uhr an der Ausleihtheke abholen zu können, nein, jetzt kann ich mir das Buch einfach aus dem Magazin holen und sofort mitnehmen. Auch die Rückgabe läuft nun über Automaten. Ich lege das Buch auf das Förderband und er schluckt es einfach. Ein Bildschirm zeigt mir dann an: „XY – verbucht“. Das alles ist nun möglich, weil in den letzten beiden Jahren in alle Bücher der Albertina, so heißt das Hauptgebäude unserer Universitätsbibliothek, RFID-Chips eingeklebt wurden. RFID steht für „radio frequency identification“ – Identifikation mittels Magnetwellen. Früher wurden die Bücher hinten aufgeklappt und dann wurde der dort eingeklebt Barcode eingelesen. Heute kann ich meine zwei, drei oder zehn Bücher im Stapel auf den Tisch legen, meinen Ausweis scannen und dann werden die Bücher mittels dieser RFID alle als ausgeliehen registriert. Ich nehme mal an, mit diesen tollen Scannern und Maschinen wurden zwei bis drei Angestellte wegrationalisiert.

Wir dürfen jetzt sogar unsere Rucksäcke mit in die Bibliothek nehmen. Früher war es gerade zu den Lern- und Prüfungszeiten gar nicht leicht, einen freien Spint zu finden. Das ist heute gar nicht mehr nötig. Ich kann meine Sachen einschließen, wenn ich mag, oder auch nicht. Alles sehr praktisch und effizient.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 5, 2013
Autor:
Rubrik: studium
Jun 5, 2013

Studentenleben live

Zu verschenken

Es ist Frühling und alle misten aus. An jeder zweiten Straßenecke stehen nun kleine Kisten, Bananenkartons und andere Behälter mit einem Schild „zu verschenken“: Von Kleidern und Büchern über Bretter, Computermäuse und Buntstifte bis hin zu Großpackungen Watteröllchen vom Zahnarzt, Lautsprechern und Malerstativen ist alles zu finden und zu haben. Ich nenne es die Ökonomie des Teilens. Man muss die Dinge nicht wegschmeißen. Vielleicht kann ein anderer damit ja noch was anfangen. Ich selbst habe meist im Rahmen eines Umzugs eine Kiste mit Sachen vor die Tür gestellt, andere machen es beim Frühjahrsputz. Wenn jeder ab und an so eine Kiste packt, dann kann sich jeder mal über einen Schatz freuen, für den er kein Geld ausgeben musste. Am Ende kann er es vielleicht doch nicht (mehr) gebrauchen und tut es dann wieder in so eine Kiste.

Mit den Sachen, die wir kaufen, ist es doch nicht viel anders. Da gibt es auch nicht wenige Dinge, von denen wir denken, wir bräuchten sie, aber das tun wir gar nicht. Da ist es doch besser, wenn man sich nicht ärgern muss, dafür Geld ausgegeben zu haben und sich stattdessen freuen kann, etwas kostenlos bekommen zu haben. Gerade bei Kleidern ist es doch so – was dem einen nicht mehr gefällt, findet der andere vielleicht gerade schön. Oder Bücher – wir haben sie gelesen und werden sie wahrscheinlich nicht noch einmal lesen, können sie also weitergeben. Oder CDs – meist hören wir die Musik doch eh nur noch vom MP3-Spieler. Also Leute, packt auch ihr eure „zu verschenken“-Kiste und stellt sie an einem sonnigen Tag vor die Tür. Ich bin mir sicher, auch ihr habt viel Zeug, dass ihr nicht mehr braucht, und es wäre doch schade, wenn es im Müll landen würde. Ich habe mir gestern ein kleines tragbares Malerstativ und eine Rolle Nähgarn aus einer Kiste mitgenommen und in eine andere ein paar Musik-CDs und Zeitschriften gelegt. Heute habe ich gesehen, dass schon ein paar davon mitgenommen wurden.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 4, 2013
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Rubrik: studium
Jun 4, 2013