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Studentenleben live

Erwachsen werden

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

20.09.2013

Ja, ich muss ehrlich zugeben, ich beobachte gerne Menschen. Gangarten, Kleidungsstile, Verhaltensweisen. Am liebsten auf Marktplätzen, in der Bahn und früher auch oft auf dem Schulhof.

Seit es nun aber stattdessen der Hochschulcampus geworden ist, hat sich einiges verändert. Die Gesichter, in die ich blicke, sind jetzt erwachsener. Jeder scheint seinen eigenen Stil gefunden zu haben. Klar, dazwischen laufen auch vereinzelt Menschen herum, denen nur noch der altbekannte 4YOU-Rucksack zu fehlen scheint, um das äußerliche Image abzurunden und mir die letzte innerliche Bestätigung zu geben, dass es sich bei ihrem Hochschulbesuch wirklich um nichts anderes als einen Schulausflug handelt. Aber die Erwachsenen-Fraktion überwiegt doch deutlich. Und manchmal macht sie mir Angst. Angst, weil ich lebenslauftechnisch in der Theorie auf derselben Stufe stehe wie sie – im Studium und irgendwie so ziemlich mitten im Leben. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, das selbst auszustrahlen, weil ich mich selbst noch lange nicht so fühle. Weil ich in Diskussionen so schnell meinen eigenen Standpunkt verliere, weil ich neulich im Vorstellungsgespräch nicht sagen konnte, was ich für Ziele habe und was für Prioritäten im Leben, weil ich Freunde fragen muss, wenn ich mich selbst beschreiben soll, und weil ich viel zu oft nicht weiter weiß.

Von meiner Wand lächelt mich eine Postkarte an: „Erwachsen werden? Ich mach zwar viel Scheiß mit, aber nicht jeden...“ Vielleicht eine gute Devise, mich aus der Affäre zu ziehen, solange ich noch keine Ahnung habe, was Erwachsenwerden tatsächlich heißt. Irgendwie habe ich ja auch noch ein bisschen Zeit dafür und dass „volljährig“ kein Synonym für „erwachsen“ ist, war mir auch schon länger bewusst. Wahrscheinlich ist das alles ein Prozess, der bei manchen eben schneller als bei anderen geht und vermutlich würde sich auch die Hälfte derer, die ich als erwachsen empfinde, selbst nicht so bezeichnen. Also heißt es wohl erst einmal weiter abwarten, Erfahrungen machen, Tee trinken und hoffen, dass andere Menschenbeobachter mir immerhin keinen 4YOU-Ranzen mehr wünschen.

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