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Studentenleben live

Altphilologen gesucht!

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

19.01.2015

Als ich diesen Satz auf einem Aushang an der Bibliothek sah, musste ich genauer hinschauen. Altphilologen werden irgendwo gesucht? Das ist ja der Wahnsinn! Der Aushang war vom Slawischen Seminar. Einzige Bedingung: Man sollte die kyrillische Schrift lesen können. Nach meinem FSJ in Serbien, wo ja zum Teil kyrillische Schrift verwendet wird, ist das Lesen für mich kein großes Problem. Ich war sofort eingestellt. So leicht kann es manchmal gehen. Wer einen Blick auf die Blätter wirft, die ich nun für die HiWi-Stelle Korrektur lesen muss, dem schwirrt wahrscheinlich der Kopf vor lauter unbekannten Zeichen und Symbolen.

Mein Job ist es nämlich, die digitalisierte Version eines mittelalterlichen Wörterbuchs Altslawisch-Altgriechisch durchzusehen. Das heißt, jeden Eintrag lesen und prüfen, ob auch alle „merkwürdigen“ Zeichen vom Computer erkannt worden sind und richtig dargestellt werden. Natürlich kann man sich fragen: Wer braucht denn eigentlich ein Wörterbuch, um von der einen toten Sprache in die andere zu übersetzen? Aber mal ehrlich: Die Frage des „wozu?“ kann man sich bei den meisten Wissenschaften stellen. Und ich bin mir sicher, dass dieses Wörterbuch vielen Forschern extrem nützt und vielleicht auch irgendwann für eine große Erkenntnis sorgt. Und mit der Digitalisierung soll das Werk möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden, ohne dass sie in eine Bibliothek ans andere Ende der Welt fahren oder sogar das fragile Original benutzen müssen. Ich werde mir also von niemandem einreden lassen, dass mein HiWi-Job nutzlos wäre. Speziell sicher, aber eine Stelle im Callcenter, bei der man die Menschen mit Anrufen stört oder versucht, arme einsame Rentner über den Tisch zu ziehen, finde ich noch sinnloser. Oder Flyer für irgendeine Veranstaltung zu verteilen, zu der man selbst nie gehen würde und die entweder keiner annimmt, oder sie gleich in den nächstgelegenen Papierkorb wirft. Da lobe ich mir doch meinen ruhigen und gemütlichen Arbeitsplatz, die netten Kollegen, die flexible Zeiteinteilung und den Arbeitsalltag – gefüllt mit außergewöhnlichem Hirnjogging.

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