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Umweltpsychologie und Politik

Autor:
Maja

Rubrik:
studium

25.11.2015

Vor zwei Wochen war es wieder so weit: in Berlin fand der Kongress der IPU (Initiative Psychologie im Umweltschutz) statt. Dieses Wochenendseminar findet alle sechs Monate statt und dreht sich um Themen, die etwas mit Psychologie und Umweltschutz zu tun haben. Meistens fokussiert sich jedes Seminar auf ein Thema.

Das letzte Mal ging es um „Commons“ (zu Deutsch: Allmende – Gemeinschaftsbesitz abseits der aufgeteilten landwirtschaftlichen Nutzfläche). Wir haben darüber gesprochen, wie sich Dilemma lösen lassen, die entstehen, wenn viele Menschen Gemeingüter nutzen. Ein Beispiel wäre ein Dorf an einem See, in welchem jeder Fischer nur eine gewisse Menge an Fisch fangen darf, damit die Fischbestände nicht zu Grunde gehen. Wenn jeder sich an die Regel hält, geht es allen gut. Wenn aber ein Fischer mehr fischt, merkt das keiner. Diesem Fischer geht es besser, aber allen anderen geht es schlechter, weil der Fischbestand schrumpft. Solche und ähnliche Dilemma lassen sich auch gut auf CO2-Emissionen und andere relevante Themen übertragen. Wir haben auch von Leuten gehört, die in großen Gemeinschaften leben und vieles erfolgreich teilen. Wir haben darüber gesprochen, welche psychologischen Mechanismen für das Scheitern oder Funktionieren verantwortlich sind und darüber spekuliert, wie man intervenieren könnte.

Bei diesem Seminar in Berlin stand das Thema Politik im Vordergrund. Wir haben gehört, welche Berufschancen und Arbeitsfelder es für Umweltpsychologen in der Politik gibt. Es wird zum Beispiel von Umweltpsychologen im Auftrag der Regierung ein Gutachten erstellt, welches die Umwelt(schutz)einstellung der Bevölkerung erhebt.

In einem anderen Workshop haben wir über „nudging“ gesprochen – darüber wie Menschen bei Entscheidungen manipuliert werden. Beispielsweise beeinflusst das „product placement“ (die Produktplatzierung in Film- und Fernsehproduktionen), wie viel sie gekauft werden. Dürfte man sich nun als Umweltschützer solche Tricks auch zunutze machen – sollte man das dann sogar tun, um gegen konsumorientierte „Nudges“ vorzugehen, oder wäre das ethisch nicht vertretbar? Eine Lösung haben wir nicht gefunden, spannend war es aber trotzdem. Abends waren zwei Professoren und ein Gewerkschaftsführer von Verdi zu einer Diskussion über TTIP, TISA und CETA eingeladen.

Alles in allem war es ein sehr spannendes und inspirierendes Wochenende. Obwohl ich mich jedes Mal frage, ob ich wieder hinfahren will. Aber auch wenn ich sonst immer viel zu tun habe, lohnt es sich doch immer wieder.

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