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Studentenleben live

„Ich bin ein Autist“

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

11.11.2016

„Ich bin ein Autist“ – mit diesen Worten hat sich ein junger Mann vor hundert Studierenden im Auditorium vorgestellt und über seine Krankheit berichtet. Autismus, was kommen da für Stereotypen hoch? Gar nicht mal so schlechte, denn: Autisten sollen ziemlich schlau sein. Nicht umsonst wird die Krankheit auch „Kleiner-Professor-Syndrom“ genannt. Und auch der junge Mann, der sich da vor uns hinstellte und zwei Stunden lang flüssig und mit einer sehr guten Wortwahl vortrug, ohne auf Notizzettel zu gucken, wirkte ziemlich intelligent. Und tatsächlich, so erzählte er, gelten rund ein Drittel aller Autisten als besonders intelligent.
Er erzählte uns aber auch, dass Autismus auch eine ernst zu nehmende Krankheit ist – wie er es nicht zu sagen scheute: eine Behinderung. Kennzeichnend für Autisten sei, dass sie Ordnung und Struktur lieben, aber mit Menschen nicht so gut auskommen. Sie hätten tendenziell wenig Empathie und könnten wichtige von unwichtigen Informationen nicht unterscheiden. Unser Vortragender benutzte folgende Metapher: „Stellt euch vor, ihr steht auf einer Autobahnbrücke und versucht, jedes Kennzeichen abzuschreiben.“ So sei es für ihn immer gewesen. Mit viel Übung und Willensstärke habe er es geschafft, zu lernen, sich den „normalen“ Menschen anzupassen und sich auf verschiedene Situationen vorzubereiten, um nicht diesen Gedankenstrom wie auf der Autobahnbrücke abwehren zu müssen. Doch auch er würde von „Autisten-Momenten“ übermannt, wie bei einem Ausflug nach Berlin, wo er sich für den fünftägigen Besuch fünf identische Outfits gekauft und diese in identischen Kisten in der gleichen Weise für jeden Tag vorbereitet hatte.
Ich fand es unglaublich beeindruckend, dass ein Mensch mit einer solchen Behinderung sich Situationen aussetzt, die ihm all das zumuten, was ihm so schwer fällt. Wahnsinnig inspirierend, was mit Mut und Willensstärke so alles zu schaffen ist.

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