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Bachelor live

Fernweh, Heimweh

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

24.08.2017

Kennt ihr das, wenn ihr im Bus sitzt, mit eurem Handy Musik hört, aus dem Fenster blickt und plötzlich Adrenalin durch euren Körper schießt? Wenn euch plötzlich klar wird, dass ihr an einem Ort weit weg der Heimat seid? Als ich nach meinem Abi einen Freiwilligendienst in Madrid gemacht habe, hat mich dieses Kribbeln immer wieder gepackt. Dann habe ich mich an Dingen erfreut, die mir sonst ganz alltäglich erschienen: an der Tortilla de patatas, die es zum Frühstück gab, an den bunten Metroschächten, an dem Durcheinander aus Sprachen in den Cafés.
Seitdem ich studiere, fehlt dieses Kribbeln. Das ist nicht unbedingt schlecht, denn wenn ich ehrlich bin, war es auch eine anstrengende und emotionale Zeit. Ich bin viel gereist während meines Freiwilligendienstes, war abends häufig mit Freunden in der Stadt unterwegs. Ich habe das ganze Jahr über nur ein einziges Buch gelesen, weil mir einfach keine Zeit blieb, um zu entspannen. Seit ich studiere, habe ich eine ganze Menge Bücher gelesen, viele für die Uni und für Hausarbeiten, ein paar auch einfach nur für mich. Das tut gut, das fühlt sich nach Entschleunigung an.
Heimweh hatte ich während meiner Zeit in Spanien eigentlich nicht. Es gab Tage, manchmal auch Wochen, in denen nichts so lief, wie es sollte. Wenn ich zum Beispiel das Gefühl hatte, mit meinem Spanisch nicht voranzukommen, mich von meinen Kollegen nicht ernst genommen fühlte oder die Großstadt mich überforderte. Als die Osterferien und damit der Besuch meiner Familie bevor stand, habe ich mich darauf gefreut, meinen Eltern und meiner Schwester meine neue Heimat zeigen zu können. Und als mein Freiwilligendienst zu Ende ging, war ich zwar wirklich traurig, aber zugleich fühlte es sich gut an, dass danach alles wieder etwas langsamer werden würde.
Ich fühle mich wohl in Bonn, da kann ich mich wirklich nicht beschweren. Bonn ist eine schöne kleine Stadt, die viel zu bieten hat. Die Uni gefällt mir, mein Studiengang ist spannend, die Leute sind cool. Manchmal ärgern mich Hausarbeiten oder Klausuren, manchmal fühle ich mich gestresst, aber es ist nie alles perfekt. Und doch bekomme ich hin und wieder Fernweh. Das fühlt sich anders an als dieses Kribbeln, es ist mehr so ein dumpfes Gefühl in der Magengegend, so eine Lust auf Neues. Mal schauen, wohin es mich ziehen wird.

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