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Bachelor live

Don't worry, be happy!

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

16.11.2017

Ich kann mich noch daran erinnern, wie bei meiner Firmung ein Lied von Xavier Naidoo gespielt wurde: „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“. Ich habe das Gefühl, dieses Denken ist tief in unserer Kultur verwurzelt ist. Wir glauben, Herausforderungen annehmen zu müssen und dass der schnelle Weg nicht unbedingt der bessere sein muss …
Als ich in Südafrika ankam, war ich übermüdet und aufgeregt. Hinter dem Flughafen ragten die Berge in den Himmel und nahmen mir spontan den Atem. Ein Verwandter der Südafrikanerin, die unser Workcamp vor Ort leitete, war mit seinem Auto da und sollte mich und zwei weitere Teilnehmer zu unserem neuen Zuhause-auf-Zeit fahren. Die Parkuhr, an der wir bezahlen mussten, wollte jedoch erst nicht funktionieren, das Auto wollte an der Ampel nicht starten und den Weg fanden wir auch nicht. Vielleicht lag es an meiner Müdigkeit, dass ich all das ganz entspannt hinnahm. Irgendwann würde uns schon jemand vermissen und uns anrufen, um uns den Weg zu erklären. Nur funktionierten unsere Handys in Südafrika nicht.
„Warum muss es jetzt Probleme geben?“, fragte unser Fahrer wütend, als er sich auf der Straße nach dem Weg erkundigt hatte, aber niemand weiterhelfen konnte. Wir mussten schmunzeln. Ich kann mich nicht genau daran erinnern, was wir daraufhin gesagt haben, aber es war so etwas wie „Warum den einfachen Weg nehmen, wenn es auch schwer geht?“ Unser Fahrer verstand das anscheinend ziemlich deutsche Sprichwort nicht. „Warum den schweren Weg nehmen, wenn es auch einfach geht?“, gab er zurück: „Warum muss es im Leben Probleme geben? Probleme halten dich nur zurück.“ Ich stutzte. Gerade während meines Freiwilligendienstes hatte ich den Satz „Aus Problemen lernt man“ oft gehört. Die Einheimischen, die wir kennen lernten, beschwerten sich häufig über die Probleme ihres Landes, über HIV, über Kriminalität, über Korruption. Nichts davon hielt sie aber davon ab, danach wieder glücklich zu sein.
Einmal strichen wir in einem Kinderheim eine Wand und eines der Kinder, das uns helfen wollte, stieß versehentlich einen Farbeimer um und schaute mich erschrocken an. „Don't worry“, sagte ich, stellte den Eimer wieder hin und tunkte den Pinsel wieder ein. Ein anderes Kind nickte nur, grinste und stellte sich zu uns. „Don't worry, be happy“, sang das Mädchen spontan.

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