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Freiwilligendienst im Ausland

Die Tücken eines Whiteboards

Autor:
Inga

Rubrik:
orientieren

29.03.2011

Ich war in meinem Element. Ich schrieb und kritzelte, malte, veranschaulichte –  bald war die ganze Tafel vollgeschrieben, von dem ursprünglichen Weiß sah man nicht mehr viel, dafür aber viele liebevoll angefertigte Skizzen, die den Sachverhalt erläutern sollten. Ich verlieh gerade dem letzten meiner Meisterwerke mit einem besonders reichen Wortschwall den letzten Schliff, als ich plötzlich merkte, wie die Stimmung im Klassenraum umschlug.
Waren meine Schüler vorher noch verwirrt bis gelangweilt gewesen, im Normalzustand eben, so schauten sie jetzt zu Tode erschrocken auf das neue Whiteboard, das ich so munter bearbeitet hatte. Fast fühlte ich mich in meiner Ehre gekränkt, als ich ihre entsetzten Blicke auf meinen hübschen Bildchen ruhen sah, da merkte ich plötzlich, dass ich einen Riesenfehler begangen hatte: Permanent-Marker! Der Stift war wasserfest gewesen und somit für den Gebrauch an einer wiederbeschreibbaren Tafel völlig ungeeignet!
Es brach ein Tohuwabohu los, das sich gewaschen hatte. Während die einen versuchten, mir die Problematik zu erläutern, waren die anderen schon dabei, mir die Lösung des Problems nahezulegen, auf Tschechisch, Deutsch, mit viel Hand und Fuß – aber trotzdem lauthals. Wäre die Situation in dem Moment nicht so ernst gewesen, hätte ich furchtbar über ihre Rufe nach „Bier!“ lachen müssen! Es war mein größtes Improvisationstalent gefragt. Während irgendwo ganz tief in mir mein Herz mit einem gewaltigen Satz in die Hose rutschte,  markierte ich diejenige, die alles unter Kontrolle hatte. Bald hatte ich sie wieder so weit, dass sie zumindest so taten, als ob sie sich mit dem Unterrichtsstoff befassten. Ich schickte zwei Jungs zum Hausmeister, bald kamen sie mit der gewünschten roten Flasche wieder, an deren offensichtlichem Alkoholgehalt sie sich mit den Worten „Nicht trinken!“, die ihnen der Hausmeister eingeprägt haben dürfte, erfreuten.  Sie putzten die Tafel, ich erließ ihnen die Hausaufgaben und bald waren alle glücklich: Die Schüler über eine so „aufregende“ Unterrichtsstunde und die Inga, weil die Tafel wieder strahlend weiß leuchtete…

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