interaktiv

Mein freiwilliges Jahr

Wie zu Schulzeiten

Autor:
Franziska

Rubrik:
orientieren

16.09.2015

Mein Wecker klingelt um halb sieben. Nachdem die Müdigkeit im Kampf gegen mein Pflichtgefühl unterliegt, stehe ich auf und schlurfe ins Bad. Zurück in meinem Zimmer stehe ich vor meinem Kleiderschrank und muss mich für ein Outfit entscheiden. Instinktiv greife ich nach der ausgewaschenen Lieblingsjeans und einem meiner gemütlichen Hoodies. Doch ich halte inne und erinnere mich daran, dass ich nun nicht mehr zur Schule gehe und greife doch zu einer sauberen, schwarzen Hose und einem gebügelten Pullover. Abgesehen von meiner Klamotten- und Frisurwahl ist meine morgendliche Routine dieselbe – wie zu Schulzeiten. Meine Eltern sitzen mit mir zusammen am Frühstückstisch. Aber statt in meine Sneakers schlüpfe ich in schwarze Stiefeletten und statt einem Rucksack schnappe ich mir meine Handtasche. Jetzt bin ich bereit für einen weiteren Arbeitstag als FSJlerin.

Die Einsatzstelle für mein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur ist das Kulturbüro der Kreisverwaltung Mainz-Bingen. Hauptsächlich werden hier Veranstaltungen, beispielsweise Lesungen, Preisverleihungen oder Fastnachtssitzungen geplant und organisiert. In den nächsten Wochen steht eine Ehrung für Bürger an, die sich in besonderer Weise engagiert haben. Dafür habe ich in den letzten Tagen sämtliche Einladungen verschickt und die Ehrenurkunden geschrieben. Denn obwohl ich erst vor knapp zwei Wochen angefangen habe, habe ich schon eigene Aufgaben und ein kleines bisschen Verantwortung übertragen bekommen, worüber ich sehr froh bin. Und vor allem habe ich eines gelernt: Telefonieren. Ich weiß, dass man mit 19 Jahren in der Lage sein sollte, mit fremden Menschen zu telefonieren. Trotzdem habe ich anfangs immer Panik bekommen, sobald meine Kollegin alle Anrufer in ihrer Abwesenheit zu mir umgestellt hat. Nach den ersten paar Anrufern war meine Telefonphobie aber überwunden und mein Begrüßungssatz klingt immer weniger einstudiert.

Ich komme ein bisschen später als zu Schulzeiten nach Hause, aber dafür muss ich keine Hausaufgaben mehr machen. Abends kocht meine Mutter mein Lieblingsessen und mir wird einmal mehr bewusst, dass ich noch nicht dazu bereit wäre, in den nächsten Wochen auszuziehen. Denn es ist wirklich alles ein bisschen wie früher. Nur eben viel besser.

Diesen Artikel teilen