interaktiv

Die Lehrer von morgen

Begegnungen

Autor:
Eva

Rubrik:
studium

28.12.2016

Oftmals stelle ich mir die Frage, was mir im Leben eigentlich wichtig ist, was mich glücklich macht. Spontan würden mir meine Freunde und meine Familie einfallen, aber reicht das? Viele sehnen sich nach teuren Autos, nach Reichtum oder Macht. Ich überlege oft, ob das auch meine Wünsche sind. Doch dann habe ich wieder sehr einschneidende Erlebnisse und fühle mich auf meine Art erfüllt.
Ich besuchte kürzlich die Flüchtlingshilfe in Würzburg, die Deutschkurse für Migranten anbieten. Finanziert wird das nötige Material durch Spenden. Das ehrenamtliche Personal besteht aus Studierenden und wie es häufig in sozialen Bereichen der Fall ist, ist das Team der engagierten Helfer unterbesetzt und sie können nicht die Hilfe geben, die sie gerne aufbringen möchten.
Ich versuchte deshalb, ihnen unter die Arme zu greifen und übernahm eine Gruppe von Flüchtlingen, die ungefähr auf einer Kenntnisstufe in Deutsch waren. Die Männer kamen aus der Ukraine und dem Iran und waren alle sehr wissbegierig. Zu meiner Gruppe gehörte der etwa 40-jährige Mehrdad. Er stammt aus dem Iran und flüchtete vor Krieg und brutalen Übergriffen. In Deutschland möchte er neu beginnen: Er will Deutsch und Englisch lernen, nach seinem Master in Chemie, den er im Iran absolvierte, wieder studieren und Arzt werden – Gutes für die Bevölkerung tun. Mehrdad besucht täglich vormittags, nachmittags und abends Sprachkurse, um sein Ziel zu erreichen. Seine einprägsamen Worte rührten mich, als er sagte, er fände es schön, mit so vielen unterschiedlichen Kulturen an einem Ort zusammenzuleben, neue Ansichten und Leute kennenzulernen. Ich hatte das Glück, jemanden ganz Besonderen kennenzulernen, einen Mann, der sich hier in unserem Land einbringen möchte. Ich traf auf viele solch tolle Menschen – und für mich auf das Gefühl der Erfüllung, da ich diesen Menschen helfen konnte.

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