interaktiv

Studieren im Ausland

Zu Gast

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

11.07.2018

Meine Zeit am Europakolleg geht zu Ende und ein Gedanke drängt sich mir wieder auf: Ich habe mich hier die meiste Zeit nur als Gast gefühlt. Je nachdem, welchen Platz im Wohnheim man bekommt, verhindern schon die Zimmer mit ihrer Standard-Einrichtung und ungemütlichen Atmosphäre ein Wohlgefühl. Dazu kommen die strengen Regularien (es herrscht zum Beispiel ein offizielles Übernachtungsbesuchs-Verbot) und die Tatsache, dass man keine Möglichkeit zum Kochen hat. Somit habe ich dem Abschied mit gemischten Gefühlen entgegengeblickt: Traurig, dass ein Jahr zusammen mit jeder Menge internationaler Studierenden und spannenden Themen nun zu Ende geht. Aber ich freute mich auch darauf, wieder richtig in mein Leben einzusteigen: in eine neue Stadt zu ziehen mit der Aussicht, länger als nur zehn Monate dort zu bleiben; mit richtigen Hobbys; mit mehr Zeit für Engagement und mit mehr Einbindung in das heimische Leben.
Dann kam es, wie es kommen musste: Zwei Wochen vor Ende des Kollegs habe ich eine richtig nette Gruppe kennengelernt, mit der ich während des Jahres hier bestimmt viel Spaß hätte haben können, was bestimmt dazu geführt hätte, dass ich mich in Brügge mehr zu Hause fühle. Darunter waren einige Franzosen, mit denen ich mein Französisch hätte trainieren können. Manchmal stimmt einfach das Timing nicht. Zudem ist ein einjähriger Master einfach kurz. Man braucht in der Regel bestimmt fast ein Jahr, um sich irgendwo einzuleben, in einer Touristenstadt wie Brügge vielleicht sogar länger. Auch Freundschaften brauchen eine gewisse Zeit und Aussicht auf Fortbestand, um sich zu bilden und zu festigen, ebenso ging es mir mit Hobbys und sonstigem Engagement. Dafür hat man schon nach einem Jahr seinen Master in der Tasche. Und mal ganz ehrlich: Ich glaube, wenn ich dort mehr als zehn Monate verbracht hätte, wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.
So endete meine Zeit dort dennoch mit einigen sehr schönen Erlebnissen und der Aussicht auf Freundschaften. Und eines weiß ich sicher: Sollte ich irgendwann mal nach Brüssel ziehen, werde ich bestimmt auf viele altbekannte und freundliche Gesichter treffen. Ich bin auch gespannt, ob ich jemanden aus meinem Jahrgang in ein paar Jahren im Fernsehen wiederentdecke – vielleicht Ministerpräsident oder EU-Kommissar?

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