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Master live

Ur Leiwand

Autor:
Ferdinand

Rubrik:
studium

05.02.2020

Dass das Studium in Wien auch ein sprachlicher Umzug wird, war mir von vornherein klar. Wieweit sich mein Blick auf die deutsche Sprache aber geweitet hat, hat mich nun doch überrascht. Mit dem Wienerischen habe ich nicht nur in der Uni und in der WG Kontakt, ich begegne dem Dialekt auch sonst tagtäglich: In der „Bim“ (der Straßenbahn), an der Würstlbude, in der Zeitung.
Dabei habe ich schon ein wenig durchblickt, wie man richtig Österreichisch spricht. „Grüß Gott“ und „Servus“ sind für mich schon längst eine Selbstverständlichkeit – was dazu führte, dass man mich an Weihnachten in der Heimat für einen Bayern hielt. An der Supermarktkasse verlangt man in Wien keine Tüte, sondern ein „Sackerl“. Doch die Unterschiede gehen noch weiter. So ist man in Wien nicht „auf dem Weg“, sondern „am Weg“. Und wenn etwas sehr schön ist, dann ist es eben nicht sehr schön, sondern „ur schön“. Auch das „eh“ hört man in Wien viel öfter als in Deutschland. Etwas ist „eh klar“ oder „eh egal“.
Meine liebste österreichische Formulierung ist und bleibt aber wohl doch „leiwand“. So wirbt etwa ein Kaffeehaus in meinem „Grätzl“ (meinem Viertel) mit „Leiwander Melange“. Was kann man sich denn wohl darunter vorstellen? Melange, die weiß ist wie eine Leinwand, oder nach Pappe schmeckt!? Weit gefehlt, denn „leiwand“ sagt man in Wien einfach zu allem, was gut, schön, toll ist. Also in etwa so: „Heute ist leiwandes Wetter also gehe ich mit meinen leiwanden Freunden auf die Donauinsel.“
So sehr mir das Wienerische auch gefällt, zu imitieren versuche ich es nicht, denn das kann ja nur nach hinten losgehen. Schon jetzt werde ich regelmäßig als „Piefke“ (also als Deutscher) entlarvt und auf meine Herkunft angesprochen. Mitunter kann das ganz schön nervig sein. Ganz schön „zach“ eben.

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