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Master live

Ur Leiwand

Dass das Studium in Wien auch ein sprachlicher Umzug wird, war mir von vornherein klar. Wieweit sich mein Blick auf die deutsche Sprache aber geweitet hat, hat mich nun doch überrascht. Mit dem Wienerischen habe ich nicht nur in der Uni und in der WG Kontakt, ich begegne dem Dialekt auch sonst tagtäglich: In der „Bim“ (der Straßenbahn), an der Würstlbude, in der Zeitung.
Dabei habe ich schon ein wenig durchblickt, wie man richtig Österreichisch spricht. „Grüß Gott“ und „Servus“ sind für mich schon längst eine Selbstverständlichkeit – was dazu führte, dass man mich an Weihnachten in der Heimat für einen Bayern hielt. An der Supermarktkasse verlangt man in Wien keine Tüte, sondern ein „Sackerl“. Doch die Unterschiede gehen noch weiter. So ist man in Wien nicht „auf dem Weg“, sondern „am Weg“. Und wenn etwas sehr schön ist, dann ist es eben nicht sehr schön, sondern „ur schön“. Auch das „eh“ hört man in Wien viel öfter als in Deutschland. Etwas ist „eh klar“ oder „eh egal“.
Meine liebste österreichische Formulierung ist und bleibt aber wohl doch „leiwand“. So wirbt etwa ein Kaffeehaus in meinem „Grätzl“ (meinem Viertel) mit „Leiwander Melange“. Was kann man sich denn wohl darunter vorstellen? Melange, die weiß ist wie eine Leinwand, oder nach Pappe schmeckt!? Weit gefehlt, denn „leiwand“ sagt man in Wien einfach zu allem, was gut, schön, toll ist. Also in etwa so: „Heute ist leiwandes Wetter also gehe ich mit meinen leiwanden Freunden auf die Donauinsel.“
So sehr mir das Wienerische auch gefällt, zu imitieren versuche ich es nicht, denn das kann ja nur nach hinten losgehen. Schon jetzt werde ich regelmäßig als „Piefke“ (also als Deutscher) entlarvt und auf meine Herkunft angesprochen. Mitunter kann das ganz schön nervig sein. Ganz schön „zach“ eben.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Feb 5, 2020
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Feb 5, 2020

Master live

E-Mail an mich selbst

Heute früh habe ich eine überraschende E-Mail erhalten: und zwar von mir selbst. Von vor genau fünf Jahren. Es hat richtig Spaß gemacht, sie zu lesen und zu merken, wie unglaublich viel sich seitdem verändert hat. Vor fünf Jahren war ich 18 Jahre alt und stand wenige Monate vor meinen Abiturprüfungen. Damals konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie das Leben als 23-Jährige wohl aussehen würde, für mich klang das sehr weit entfernt und vor allem sehr erwachsen. Ich bin in Deutschland nie gerne in die Schule gegangen und konnte es kaum abwarten, mein Leben endlich selbst zu gestalten. Meinen damaligen Plan, in Wien Publizistik zu studieren, habe ich jedoch schnell über Bord geworfen, das Vorhaben, Journalistin zu werden und beruflich die Welt zu bereisen, schließlich auch. Zwischen heute und damals liegen außerdem sechs Umzüge, zwei Jahre im Ausland, beendete Freundschaften, neue Freundschaften, misslungene Beziehungen, eine sehr glückliche Beziehung, einige sehr spannende Arbeitserfahrungen, ein abgeschlossenes Bachelor-Studium, viel Selbstreflektion, Zweifel, Hoffnungen und Entwicklung. Ich bin stolz darauf, welchen Weg ich gegangen bin. Genau so hätte sich mein 18-jähriges Ich das erhofft – auch wenn sich alles immer ganz anders entwickelt, als man sich überhaupt vorstellen kann. Nach dem Lesen habe ich mich gleich daran gemacht, eine neue E-Mail zu schreiben – an mich selbst im Alter von 28. Was bis dahin wohl alles passiert?

Autor: Moni   |  Rubrik: studium  |  Feb 4, 2020
Autor: Moni
Rubrik: studium
Feb 4, 2020

Master live

Der Wettbewerb

Im Masterstudium fehlt mir manchmal die Übersetzungspraxis. Da kam mir ein gerade ausgeschriebener Wettbewerb sehr gelegen.
Der Susanna Roth-Übersetzerpreis wird jedes Jahr vom Tschechischen Literaturzentrum CzechLit und den Tschechischen Zentren ausgeschrieben. Zielgruppe sind dabei Nachwuchsübersetzer aus dem Tschechischen. Jedes Jahr wird ein noch nicht übersetztes Werk eines tschechischen Prosaautoren für den Wettbewerb ausgewählt. Und so befassen sich gerade Teilnehmer aus den verschiedensten Ländern mit den Seiten 22 bis 39 des Romans „Vytezenej kraj“ von Veronika Bendová. Die Autorin befasst sich im Buch mit der Region Nordböhmen. Zwei location scouts – ein Mann und eine Frau, die einmal eine Beziehung hatten – sollen für einen Krimi passende Drehorte finden. Ein literarischer Roadmovie durch eine vom Rest der Republik abgehängte Region beginnt.
Für den Wettbewerb werde ich mir nun noch bis Ende März den Kopf zerbrechen, wie ich den Text optimal ins Deutsche übertragen kann – es finden sich nämlich so einige harte Übersetzer-Nüsse im Auszug, die es zu knacken gilt: Von Anspielungen zu Musikstücken über sprachliche Feinheiten und regionale Gegebenheiten.
Zu gewinnen gibt es beim Susanna Roth-Preis die Teilnahme an einem bohemistischen Seminar. Klar, gebe ich mir Mühe, eine gute Übersetzung abzuliefern, doch primär geht es mir um viel mehr: So ich genieße ich es gerade sehr, mich intensiv mit einem Text auseinanderzusetzen und das bisher im Studium und auf Workshops Gelernte anzuwenden.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: orientieren  |  Jan 31, 2020
Autor: Ferdinand
Rubrik: orientieren
Jan 31, 2020