interaktiv

Medizin studieren

Der Tod

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

19.11.2015

Die erwähnte dreiwöchige Block-Veranstaltung zur Tumormedizin – in Münster als „POL-iT“ („problemorientiertes Lernen – interdisziplinäre Tumormedizin“) bezeichnet – startete direkt am ersten Tag des Semesters.

Jeden Morgen sprachen wir in Kleingruppen Fälle durch. Das kann man sich wie Detektiv-Arbeit vorstellen: Zu Beginn bekamen wir ein Blatt, auf dem geschildert war, mit welchen Beschwerden eine Person in die Notaufnahme kommt. Wir mussten unter Anleitung durch einen Tutor in der Gruppe beschließen, welche Maßnahmen zu ergreifen seien, um die richtige Diagnosen stellen zu können. Sobald wir die richtigen Dinge getan hatten, bekamen wir weitere Zettel, auf denen die Untersuchungsergebnisse der von uns festgelegten Maßnahmen standen, aus denen wir schließlich eine Diagnose erstellen sollten. War das geschehen, ging es daran, ein Therapie-Konzept zu entwerfen. Nachmittags wurden unsere „praktischen“ Überlegungen durch Vorlesungen auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Ein wirklich tolles, interaktives und integratives Lern- und Lehrmodell.

Aber es handelt sich um ein sensibles Thema. Dadurch, dass alle Patienten, die uns im Rahmen des Kurses vorgestellt wurden, Tumore hatten, spielte der Tod eine extrem große Rolle. Selten hatten wir einen Fall, in dem der Patient tatsächlich geheilt werden konnte. Meistens ging es darum, den Patienten so lange wie möglich beschwerdefrei zu halten, sodass er ohne Einbuße von Lebensqualität weiterleben konnte. Ein extrem wichtiger Ansatz. Aber gerade zu Beginn, wenn man diese Denk- und Handlungsweise nicht gewöhnt ist und auf Heilung aus ist, nimmt einen das schon mit, nicht von Heilungs-Wahrscheinlichkeiten zu reden, sondern von „Fünf-Jahres-Überlebens-Chancen“.

Das ist eben die Kehrseite der Medaille an Medizin. Man sieht Menschen sterben, leider auch nicht selten. Irgendwie muss ich mir da wohl noch Strategien zurechtlegen, um ein Leben lang damit umgehen zu können.

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