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Medizin studieren

Klinik, na endlich!

Erstes klinisches Semester – das muss ich mir auf der Zunge zergehen lassen. Es bedeutet, dass das Physikum nie wieder Thema sein wird. Keine Chemie, keine Biologie, keine Physik, nur noch interessante und für das Leben als Arzt relevante Themen – oder?
So einfach ist es wohl nicht. Wenn ich auf meinen Stundenplan schaue, grinsen mich Fächer wie Klinische Chemie, Mikrobiologie und Pharmakologie böse an. Ich entdecke kaum eine Veranstaltung, in der es tatsächlich um Medizin geht. Ich bin schon etwas enttäuscht. Dafür ist einiges neu für mich, zum Beispiel die Klinikgruppen. Das sind Gruppen von sechs oder sieben Leuten, die in den nächsten Semestern alle Kurse gemeinsam besuchen. Das Schöne ist, dass jede Gruppe sehr klein ist. Das bedeutet ein tolles Arbeiten, da man sehr viel von den Dozierenden hat.
Gemeinsam haben wir von nun an jede Woche Kurse, in denen wir uns mit der Patientenanamnese beschäftigen, dem ersten Gespräch mit einem neuen Patienten. Dafür hat unsere Fakultät mehr als 100 Schauspielerinnen und Schauspieler eingestellt, die uns helfen sollen, in einer möglichst realistischen Umgebung solche Gespräche zu üben. Die Behandlungsräume sind mit einer Kamera versehen, sodass man sein eigenes Gespräch später anschauen kann. Hinter verspiegeltem Glas sitzt der Rest der Gruppe und hört über Kopfhörer zu, um Rückmeldung geben zu können. Außerdem werden uns von nun an im Universitätsklinikum immer wieder verschiedene Abteilungen gezeigt, unter anderem die Strahlentherapie oder die Radiologie.
Während ich in den ersten vier Semestern keine Praktika machen musste, da ich durch meinen Freiwilligendienst bereits alle nötigen Leistungen erbracht habe, stehen nun auch für mich Famulaturen an. Für diese müssen wir insgesamt vier Monate lang in Krankenhäusern und Praxen arbeiten. Wo wir das machen, steht uns weitgehend offen, deshalb mache ich meine erste vierwöchige Famulatur auf einer unfallchirurgischen Station in Leipzig, Start ist Ende Juli. Für die nächsten Famulaturen nehme ich mir vor, noch mal ins Ausland zu gehen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  Jun 1, 2018
Autor: Thilo
Rubrik: studium
Jun 1, 2018

Medizin studieren

Wiederbelebung

In der Notaufnahme geht es bisweilen hektisch, wenn nicht gar chaotisch zu. Der eine rennt von A nach B, der nächste von C nach A, überall stehen und liegen Patienten und der eine oder andere Praktikant – ich zum Beispiel – steht dumm in der Ecke rum. Entsprechend können auch mal wichtige Dinge im Eifer des Gefechts untergehen – Feingefühl, Respekt und ein freundlicher Umgangston etwa. Letzteres ist harmlos, als Praktikant muss man sich ein dickes Fell zulegen und damit leben können, ab und zu angeraunzt zu werden. Sobald es um den Patienten geht, ist für mich allerdings eine Grenze erreicht.
Ein eindrückliches Beispiel ist mir da im Gedächtnis geblieben: Vom Notarzt wurde eine Patientin mit Schlaganfall eingeliefert, die wegen eines akuten Schlaganfalls nicht mehr sprechen oder sich bewegen konnte, wohl aber alles verstand. Es handelte sich um eine ältere Patientin aus dem Altersheim, die wohl eine Patientenverfügung vorliegen hatte, die eine Herzdruckmassage zur Wiederbelebung sowie andere, lebensverlängernde Maßnahmen ausschloss. Da diese bei der Behandlung eines Schlaganfalls durchaus nötig werden können, ist diese Info für die weiterbehandelnden Ärzte wichtig. Doch die Ärzte diskutierten das Ganze vor der Patientin, die ja total klar und angsterfüllt war, nach dem Motto: „Frau X will nicht wiederbelebt werden, wenn gleich was schiefgeht. Das ist meines Erachtens so dermaßen daneben, dass mich diese Situation noch sehr lange beschäftigte.
Dabei kann ich die beiden involvierten Ärzte zum Teil sogar verstehen, denn die Situation war absolut chaotisch. Aber sie hätten das Feingefühl besitzen müssen, in dem Moment zumindest die Stimme zu senken.
Und so bleibt mir nur, zu hoffen, dass eine neue Generation Ärzte aus solchen Erfahrungen ihre Lehren ziehen und diese möglichst lange in der Praxis umsetzen werden.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  May 25, 2018

Medizin studieren

Ein überlaufendes Fass

Im Zuge meiner Famulatur arbeite ich nun eine Woche lang in der Notaufnahme. Ich hatte mir erhofft, dort noch einmal gründlich die neurologische Untersuchung zu üben und anzuwenden. Was ich allerdings dort erlebte, hatte mit einem guten Lernumfeld nichts zu tun.
Ab 8 Uhr, also Dienstbeginn, standen oder lagen die Patienten konstant auf dem Gang, da die Untersuchungszimmer vollständig belegt waren. Die diensthabenden Ärzte, egal ob Neurologen oder Internisten, mussten von Zimmer zu Zimmer rennen und die frisch eingetroffenen Patienten so schnell wie möglich abspeisen, um die schiere Flut an Menschen zu bewältigen. Für mich als Anfänger, der naturgemäß länger für Untersuchung, Anamnese und so weiter braucht, waren das denkbar schlechte Voraussetzungen. Letzten Endes war ich dazu verdammt, daneben zu stehen und zuzusehen, wie die Ärzte triagierten, also beurteilten, wie ernsthaft die Symptome eines Patienten sind und ihn dementsprechend priorisierten – je schwerer die Erkrankung, desto schneller der Therapiebeginn.
An dieser Stelle muss ich aber auch betonen, dass es dem Klinikpersonal sehr schwer gemacht wird, da rund 80 Prozent der Patienten in der NOTFALLaufnahme kein Notfall sind. Einer litt seit drei Wochen an Husten und hatte heute beschlossen, dass es ihm reiche. Ja, bei drei Wochen Husten muss man unter Umständen was unternehmen, aber für solche Fälle gibt es Hausärzte oder Lungenfachärzte. Ein Notfall ist man damit sicherlich nicht. Und natürlich nehme ich es ernst, wenn jemand seit drei Monaten Rückenschmerzen hat, die seit gestern etwas schlimmer als sonst sind. Doch es wäre deutlich sinnvoller gewesen, im Vorfeld einfach mal zum Hausarzt oder Orthopäden zu gehen, damit Notärzte dort zum Einsatz kommen, wo sie wirklich gebraucht werden.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  May 17, 2018
Autor: Johannes
Rubrik: studium
May 17, 2018