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Geschichte und Philosophie

USA nach einem Jahr

Vor 13 Monaten verließ ich die USA, besser gesagt Philadelphia, nachdem ich dort ein Jahr gelebt hatte. Jetzt bin ich wieder hier, nur kurz.

Das Erste, was mir auffiel, als ich meinen Freund wieder besuchte und die Straße zu seinem Haus entlang fuhr: Der Fordhändler, an dem wir so häufig vorbei gelaufen und gefahren sind, er ist nicht mehr. Das Zweite: Die New York Times ist geschrumpft - als ob man sie zu heiß gewaschen hätte.

Ich bin nicht zum Urlaub hierher gekommen. Wir haben viele Ideen auszutauschen, von interessanten Büchern und Artikeln zu berichten. Dazu gehen wir gerne, wie auch damals, ins Café, eine mir sehr vertraute Umgebung. Es ist interessant, von einer Welt in eine ganz andere einzutauchen, eine Welt, die einem aber doch so vertraut ist. Als ob alles in einem Dornröschenschlaf lag. So ist das wohl - man lebt während einer längeren Zeit irgendwo und verinnerlicht diese Umgebung, man macht sich diesen Ort zu eigen. Man selber denkt, alles sei beim Alten, die Gesichter sind vielerorts die gleichen, und nur man selber habe sich in dieser Zeit sehr verändert. Das stimmt natürlich nicht, aber es kommt einem so vor.

In dem Café schlägt der Inhaber aber einen anderen Ton an - im Vorbeigehen meint er zu einer Gruppe Stammgäste, die das Café gerade betreten haben, freundlich aber doch ernst: „Help to pay the rent!" Der Deutsche, den ich hier letztes Jahr kennen lernte - er war in den 50er Jahren hierhergekommen - hat sich nun entschlossen, im Dezember den USA den Rücken zu kehren. Nachdem er hier nun ein halbes Jahrhundert gelebt hat, ist er von dem Land seiner Träume enttäuscht.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Sep 28, 2009
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Sep 28, 2009

Geschichte und Philosophie

Ein Jahr Leipzig — ein paar Gedanken

Seit einem Jahr studiere ich nun hier in Leipzig Geschichte und Philosophie. Leipzig - eine tolle Stadt! Das Studium macht mir große Freude - im Großen und Ganzen.

Die Module des ersten Semesters in Geschichte fand ich langweilig, um Übersicht ging es - 2500 Jahre im Schnelldurchlauf, dann ein Abfragetest, das war schlechter als Schule. Nun im zweiten Semester fing das richtige Studium an. Schwerpunktmodule versuchten in die Tiefe zu gehen. Russland in der Neuzeit mit Fokus auf die vielen Völker, Ethnien und Subgruppen, die es umfasst. Oder das Byzantinische Reich im frühen und hohen Mittelalter.

In der Philosophie tauchten wir gleich im ersten Semester richtig ein. Mit einem kleinen Büchlein von Platon haben wir uns die vier Monate beschäftigt und in einem anderen Modul das gleiche mit Foucault gemacht.

Eines Winterabends wurde mir das Aufstecklicht vom Fahrrad geklaut, eines Frühlingsabends das Rad selbst. In der Zwischenzeit war ich schon einige Male auf dem vom Regen spiegelglatten Kopfsteinpflaster und auf den Straßenbahnschienen ausgerutscht und gestürzt. Von einer 5er-WG zog ich in eine 3er-WG. Von einem riesigen Zimmer mit Stuck an der dreieinhalb Meter hohen Decke - einem Zimmer, das wegen der 80 Kubikmeter Luft, die es umschloss, im Winter nicht warm werden wollte - in ein kleineres, in dem es mich im kommenden Winter nicht frösteln wird.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Sep 21, 2009
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Sep 21, 2009

Geschichte und Philosophie

Ein Saal, hundert Pulte, Millionen Bücher

Eingang zur Unibibliothek in Leipzig 

Toll! Ich sitze hier im Hauptsaal der Bibliothek. Um mich herum überall Leute, an je einem Pult, Laptop vor der Nase und einen hohen Stapel Bücher neben sich. Sie sind eigentlich alle älter als ich - schreiben vielleicht an ihrer Abschluss- oder Doktorarbeit.

An jedem Tisch gibt es zwei smaragdgrüne Lampen. Da es schon spät ist, dringt von den meisten ein grüner heller Schimmer zu mir. An den Wänden um mich herum Bücher, Bücher, Bücher. Dann ein Aufgang und wieder Bücher. Doch handelt es sich hier nur um einen Bruchteil dessen, was in der Bibliothek gelagert, gehortet wird. Mit einem ausgeklügelten Archivsystem und Förderbändern werden aus der Tiefe und aus der Höhe Bücher an einen Tresen gebracht, der auch in einem Bahnhof stehen könnte.

Es herrscht ein konstanter, aber niedriger Geräuschpegel: Computertastaturen, die klappern und klicken, Buchseiten, die umgeschlagen werden, Räuspern, Schritte und ein entferntes Straßenrauschen dringen durch die Fenster. Weniger wie in meiner Institutsbibliothek, wo man ganz leise sein muss, vielmehr wie in einer Denkfabrik, wo die arbeitenden Gehirne, ihre Scharniere und Zahnräder leise knistern und knirschen. Dazu, wenn man mal auf die Toilette muss und durch die Eingangshalle geht, wunderschöne Mosaiken an den Wänden, Gemälde an den Decken und Skulpturen dazwischen. Hier arbeite ich gerne.

 

Foto: Privat

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Sep 9, 2009
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Rubrik: studium
Sep 9, 2009