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Geschichte und Philosophie

Ein Saal, hundert Pulte, Millionen Bücher

Eingang zur Unibibliothek in Leipzig

Autor:

Rubrik:
studium

09.09.2009

 

Toll! Ich sitze hier im Hauptsaal der Bibliothek. Um mich herum überall Leute, an je einem Pult, Laptop vor der Nase und einen hohen Stapel Bücher neben sich. Sie sind eigentlich alle älter als ich - schreiben vielleicht an ihrer Abschluss- oder Doktorarbeit.

An jedem Tisch gibt es zwei smaragdgrüne Lampen. Da es schon spät ist, dringt von den meisten ein grüner heller Schimmer zu mir. An den Wänden um mich herum Bücher, Bücher, Bücher. Dann ein Aufgang und wieder Bücher. Doch handelt es sich hier nur um einen Bruchteil dessen, was in der Bibliothek gelagert, gehortet wird. Mit einem ausgeklügelten Archivsystem und Förderbändern werden aus der Tiefe und aus der Höhe Bücher an einen Tresen gebracht, der auch in einem Bahnhof stehen könnte.

Es herrscht ein konstanter, aber niedriger Geräuschpegel: Computertastaturen, die klappern und klicken, Buchseiten, die umgeschlagen werden, Räuspern, Schritte und ein entferntes Straßenrauschen dringen durch die Fenster. Weniger wie in meiner Institutsbibliothek, wo man ganz leise sein muss, vielmehr wie in einer Denkfabrik, wo die arbeitenden Gehirne, ihre Scharniere und Zahnräder leise knistern und knirschen. Dazu, wenn man mal auf die Toilette muss und durch die Eingangshalle geht, wunderschöne Mosaiken an den Wänden, Gemälde an den Decken und Skulpturen dazwischen. Hier arbeite ich gerne.

 

Foto: Privat

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