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Studentenleben live

Ist ein Studienfachwechsel feige?

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

10.05.2012

Was will ich mit meinem Leben beruflich anfangen? Das fragen sich wahrscheinlich alle Schüler spätestens ab der elften Klasse. Wenn man nach dem Abitur nicht weiß, was man machen will, steht man sofort unter Druck. „Langsam musst du dich aber schon mal entscheiden!", kriegt man in verschiedenen Variationen zu hören. Doch auch ein FSJ oder Bundesfreiwilligendienst bringt einen in dieser Frage oft nicht weiter. Man lernt viel fürs Leben und ich würde es jedem uneingeschränkt empfehlen, nach der Schule ein Jahr etwas anderes zu machen – aber die Erleuchtung, was man denn nun studieren soll oder was für eine Ausbildung man machen soll, kommt einem eher selten.

Wenn man ehrlich mit sich selbst ist, ist die Wahl der Ausbildung schlussendlich dann nicht immer rational. Manche entscheiden sich erst für einen Ort, und schauen dann, welche Fächer die Uni im Angebot hat. Manche richten sich nach ihren Freunden oder Eltern. Manche nehmen das Fach, das keinen NC hat. Und manche werfen vielleicht eine Münze. Nach der „Flitterwochenphase" im ersten Semester – alles neu, alles bunt, alles toll – stellt sich Ernüchterung ein. Das ist eine relativ normale Entwicklung. Doch zu mancher Ernüchterung gesellt sich auch ein kleiner Floh namens Zweifel. Der flüstert einem dann ins Ohr: „Ist das wirklich das Richtige für mich?" „Ist es normal, dass ich mich nicht zum Lernen motivieren kann?" „Kann ich mir wirklich vorstellen mit dem Stoff die nächsten Jahre den Großteil meiner Zeit zu verbringen?"

Natürlich kann das eine Phase sein, die auch wieder vorübergeht. Schließlich lernt keiner gerne für Klausuren und keiner würde „Referate vorbereiten" oder „Hausarbeiten schreiben" als sein Hobby angeben. Man sollte diesen Floh aber auf keinen Fall ignorieren. Denn in der Uni kann man oft nicht so spontan sein, wie man vielleicht will. Wenn man sich im Juni überlegt, vielleicht das Fach zu wechseln, muss man sich oft schon bald danach bewerben. Wie, wo, wann und bei wem, das ist an jeder Uni und manchmal auch noch bei den einzelnen Fächern unterschiedlich. Entschließt man sich zu spät, muss man unter Umständen ein halbes Jahr warten.

Am wichtigsten ist es aber, dass man sich nicht von dem Vorwurf verunsichern lässt, ein Studienfachwechsel wäre feige. Natürlich ist es schade, ein Studium wegen einer schlechten Klausur zu „schmeißen". Ich finde es eher feige, ein Studium irgendwie durchzuziehen, weil man nicht den Mut hat, sich mit sich selbst zu konfrontieren und andere Möglichkeiten zu durchdenken. Natürlich ist es belastend, sich immer wieder zu hinterfragen und wesentlich angenehmer, einfach alles laufen zu lassen und nichts zu verändern. Aber je früher man auf seine Zweifel hört, desto vergleichsweise einfacher ist ein Wechsel.

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