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Studentenleben live

Leipzig — Hypzig

Autor:

Rubrik:
studium

24.04.2013

Leipzig ist kein verschlafenes Nest mehr, es ist auch nicht mehr eine einzige große Baustelle. Leipzig ist voller junger Leute, die hier studieren, eine Ausbildung machen oder kulturell was reißen wollen. Der Spiegel, die FAZ, die Süddeutsche usw. berichten inzwischen über die Stadt im Osten und bezeichnen sie schon mal als „Klein-Berlin“ oder „Paris des Ostens“. Mit ein paar Freunden rede ich inzwischen von „Hypzig“ – die Stadt ist hip und wird gehypt.

Ich persönlich habe den Eindruck, der Autoverkehr hat im letzten Jahr deutlich zugenommen. Leipzig ist nicht mehr ganz so verschlafen. Man sieht auch viele Autokennzeichen aus dem Westen. Vor dem Hauptbahnhof ist ein Graffiti: „Schwaben zurück nach Berlin“. Während die Berliner sich über die Eigenarten der zugezogenen Schwaben aufregen, fürchten wohl nun einige Leipziger, dass „die Schwaben“ jetzt auch über Leipzig „herfallen“. Vor drei Jahren, als ich hier in den Leipziger Westen zog, war es nicht schwer eine Wohnung oder ein WG-Zimmer zu finden. Inzwischen ist das nicht mehr so. Hier stehen nun keine Wohnungen mehr leer; wer Ostlandschaft sucht, muss noch weiter vom Zentrum weg ziehen. Was jetzt im Vergleich mit vielen anderen deutschen Städten nicht tragisch ist. Mit dem Fahrrad bin ich in zehn Minuten an der Uni und in fünfzehn in der Altstadt oder am Hauptbahnhof. In Frankfurt, München oder Berlin können sich diese Wohnlage nicht viele Studenten leisten, geschweige denn überhaupt eine freie Wohnung finden. Aber das ist eben der Unterschied – Leipzig entwickelt sich noch, die anderen Städte müssen schauen, wie sie ihren Stand halten können. Hier fängt man gerade erst an über Gentrifizierung zu reden. Einige, die von Leipzig nach Berlin gegangen sind, kommen nun doch wieder zurück – Leipzig ist eben Hypzig.

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