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Studentenleben live

NSA, CIA und WIR

Autor:

Rubrik:
studium

25.07.2013

Alle Welt empört sich über die von Edward Snowden enthüllte Überwachung durch die US-amerikanischen Geheimdienste CIA und NSA. Aber sollte uns das wundern? Warum sollen Regierungen nicht das im großen Stil machen, was WIR im kleinen Stil auch machen? Sind wir nicht ähnlich neugierig und googlen unsere Freunde, Bekannten, Lehrer und Professoren? Oder lesen wir nicht mit Neugierde ihre Profile auf Gesichtsbuch etc.? Nicht nur sind wir selber wie kleine Spione unter Freunden, wir liefern auch den großen Spionen mit unserer ganzen Neugierde und Kommunikationswut Futter.

Früher haben Leute, die befürchteten, über Wanzen abgehört zu werden, das Radio aufgedreht oder sind in laute Bars und Cafés geflüchtet. Wen der Gedanke stört, dass ein Computer in Fort Meade ein immer detaillierteres Bild von ihm aufzeichnet, der müsste ähnlich wie damals eine Art Lärm produzieren, der es dem Lauscher erschwert herauszuhören, was er sagt. Er müsste ein Programm im Hintergrund laufen lassen, das wahlweise diese oder jene Internetseite aufruft, verschiedene Google- oder Bing-Anfragen startet, usw. Auch müsste er an öffentliche Orte gehen, also etwa Internetcafés (solange es sie noch gibt!), wo man die IP nicht auf ihn zurückführen kann.

Nicht nur die Kommunikation geht mit dem Digitalen sehr schnell, auch ihre Überwachung. Um die ganzen Briefe der DDR zu überwachen, mit Wasserdampf zu öffnen und die Handschriften zu entschlüsseln, brauchte die Stasi viel mehr Mitarbeiter als die NSA. Und trotzdem können sie die gesamte digitale Kommunikation überwachen. Aber sind WIR nicht inzwischen alle unfreiwillige Informelle Mitarbeiter? Selbst die jüngsten James-Bond-Filme erscheinen im Licht dieser digitalen Überwachung geradezu antiquiert. Heute sitzen die neuen James Bonds in einem von Neonlicht erhellten Keller vor einem leistungsstarken Computer mit schnellem Internet. Wir aber werden in Zukunft vielleicht schon verhaftet, bevor wir überhaupt ein Delikt begangen haben. Big Data und die statistische Auswertung unsere Beziehungen, unserer E-Mails und Telefonate machen es möglich. Orwell und „Minority Report“ lassen grüßen.

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