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Studentenleben live

Ankunft

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

11.08.2014

Ein trauriger Moment im Leben eines Studenten: Wenn man merkt, dass das Flugzeugessen besser schmeckt als der Fraß, den man sich in der halben Stunde Pause zwischen dem Lernen selber zusammenköchelt. Aber vielleicht habe ich auch einfach richtig Hunger und es schmeckt deswegen so gut. Oder South African Airways hat exzellente Köche an Bord.

Ich sitze im Flieger nach Südafrika, genauer gesagt Johannesburg, der Ort der Welt, der durch die höchste Mordrate Berühmtheit erlangt hat. Auf mich warten Tiger, Löwen, Giraffen und Elefanten; Zulu, Xhosa und Buren, Weiße und Schwarze, Arme und Reiche. Auf mich wartet ein riesiges Land mit Gebirgen und Meer, Wüste und Wald. Und ich? Bin nicht aufgeregt. Ein bisschen wundere ich mich über mich selbst, wie ich so tiefenentspannt im Sessel sitze und auf den Abräumdienst warte. Aber ich habe gute Laune und Vorfreude mit an Bord, zwei supernette Kommilitoninnen, die in der „Villa Bianca“, meinem nächsten Zuhause, auf mich warten, und die Hoffnung, die „afrikanische Lässigkeit“ zu erlernen. Damit fange ich jetzt gleich an: Statt den Reiseführer zu wälzen – dafür habe ich im hoffentlich nicht so kalten Winter Südafrikas bestimmt genug Zeit – stimme ich mich gedanklich auf die nächste Zeit ein.

In dieser Wolke aus Gelassenheit steige ich schließlich in Kapstadt aus dem Flieger. Regen klatscht mir ins Gesicht. Kaum zu glauben, dass in Deutschland die Sonne vom Himmel brennt, während in Afrika – Afrika, das Land der glühend rot untergehenden Sonne – ein kalter Wind weht. Lichtblick: Die strahlenden Gesichter meiner Kommilitoninnen, die mich zusammen mit unserem Vermieter vom Flughafen abholen.

Die Straße vom Flughafen führt an den ersten Townships vorbei, dann schlängelt sie sich um die Vorläufer des Tafelbergs. Ich erhasche den ersten Blicke auf die University of Cape Town, den riesigen Hafen, dessen Kräne an Hamburg erinnern, und lande schließlich in Oranjezicht, einem Weißen-Viertel der „Mother City“. Vor einem weiß-gelben Haus in englischem Stil hält der Vermieter an: „Welcome to Villa Bianca!“

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